Ein plötz­lich auf­tau­chen­des Frag­ment des Gil­ga­mesch-Epos inspi­rier­te Akram Khan zu sei­nem Tanz­stück Out­wit­ting the Devil (Den Teu­fel über­lis­ten, Bild oben, © Jean Lou­is Fer­nan­dez). Schmugg­ler boten 2011 dem archäo­lo­gi­schen Muse­um von Sulai­ma­ni­y­ya eine Ton­ta­fel an, auf der Wis­sen­schaft­ler 20 bis­lang unbe­kann­te Zei­len jener ältes­ten fest­ge­hal­te­nen Dich­tung der Mensch­heit fan­den.

Akram Khan ver­bin­det in sei­ner
Cho­reo­gra­fie zeit­ge­nös­si­sche Tanz­for­men
mit dem nord­in­di­schen Kathak
(©Lisa Stone­house).

Khan rich­tet in sei­ner Cho­reo­gra­fie den Blick von Heu­te auf den Fund. Er zeigt Men­schen, die zwi­schen den Scher­ben ihrer Über­lie­fe­rung leben, gefal­le­nen Göt­ter­bil­dern und zer­brö­ckeln­den Ton­ta­feln. Ver­zwei­felt ver­su­chen sie, die Lücke in ihrem Gedächt­nis zu schlie­ßen. Zeit­ge­nös­si­sche Tanz­for­men ver­bin­det Khan mit dem nord­in­di­schen Kathak. Die­ser Tanz, der stamp­fend in den Boden hin­ein­ge­tanzt wird und sich durch eine aus­ge­feil­te Fuß­ar­beit aus­zeich­net, ist eng mit dem Mythos ver­bun­den. Er ent­wi­ckel­te sich ab dem 13. Jahr­hun­dert in Zusam­men­hang mit der so genann­ten Bhak­ti-Bewe­gung, die Erlö­sung durch Lie­be pro­pa­gier­te und das Ide­al der Gewalt­lo­sig­keit im Hin­du­is­mus erneu­er­te.

ANZEIGE



Mourad Merzouki und seine Compagnie 
Käfig verbinden den Tanz mit zirzensischen
Elementen (©Laurent PhilippeI).

Khan zeigt sein Stück mit sei­ner Com­pa­gnie beim düs­sel­dorf fes­ti­val!, das Künst­lern eine Büh­ne bie­tet, die die Grenz­li­ni­en zwi­schen den Kunst­for­men erkun­den. Zu den Gäs­ten gehö­ren auch Mou­rad Merz­ou­ki und sei­ne Com­pa­gnie Käfig mit Ver­ti­kal. Bevor Mou­rad Merz­ou­ki sich dem Tanz zuwand­te und den Hip-Hop für sich ent­deck­te, besuch­te er eine Zir­kus­schu­le. In sei­ner Krea­ti­on Ver­ti­kal, die den Raum und die Schwe­re­lo­sig­keit erkun­det, ver­bin­det er den Tanz mit zir­zen­si­schen Ele­men­ten. Wie Artis­ten hän­gen die Tän­zer sei­ner 1996 ins Leben geru­fe­nen Kom­pa­nie Käfig kopf­über und kopf­un­ter an Sei­len. Das Hän­gen schaf­fe Frei­heit und Beschrän­kung, erläu­tert eine Tän­ze­rin. Es erlau­be Bewe­gun­gen, die beim Tanz auf dem Boden nie­mals mög­lich wären, aber es behin­de­re auch gewis­se Bewe­gun­gen. Aus die­sem Zusam­men­wir­ken von Frei­heit, der rau­en Ener­gie des Hip-Hop und der bewuss­ten Beschrän­kung schuf Merz­ou­ki sei­ne Cho­reo­gra­fie. Im Rah­men des Düs­sel­dor­fer Fes­ti­vals ist sie zum ers­ten Mal in Deutsch­land zu sehen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www.duesseldorf-festival.de

Vorheriger ArtikelNächtliche Klänge in Räume der Kunst und des Wissens
Nächster ArtikelBerührende Tanzgeschichten
Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here