Als Jun­ge war er der Kla­ri­net­tist aus Damas­kus. Spä­ter, als er anfing zu kom­po­nie­ren, wur­de er der Musi­ker aus Damas­kus. Mit Beginn sei­ner inter­na­tio­na­len Kar­rie­re spra­chen schließ­lich alle von dem „syri­schen Musi­ker“. Was Kin­an Azmeh (Foto oben: © Joan­na Wiz­mur) selbst anstrebt, ist, ein­fach Musi­ker zu sein. „Das bedeu­tet nicht, dass ich mei­ne Iden­ti­tät hin­ter mir las­se, im Gegen­teil“, hat der gefei­er­te Kla­ri­net­tist sei­nen Grenz­gang zwi­schen den Wel­ten mal in einem Inter­view beschrie­ben. Azmeh, den die New York Times einen „unge­mein gefühl­vol­len Vir­tuo­sen“ nennt und der vom Maga­zin New Yor­ker als „bezau­bernd und bril­lant“ geehrt wird, lebt schon lan­ge in Man­hat­tan, wo er an der Juil­li­ard School stu­diert hat. Als Solist tritt er in Kon­zert­sä­len auf der gan­zen Welt auf, in der Roy­al Albert Hall eben­so wie in der Elb­phil­har­mo­nie, er spielt mit dem West-Eas­tern Divan Orches­tra oder dem Syri­schen Sym­pho­nie-Orches­ter, er teilt die Büh­ne mit Grö­ßen wie Yo-Yo Ma, Aynur Doğan, Jivan Gas­pa­ryan und vie­len ande­ren.

Aber natür­lich hat der Krieg, der 2011 in sei­nem Land aus­brach, für Azmeh noch ein­mal ganz neu und dring­lich die Fra­ge auf­ge­wor­fen, was Hei­mat ist. Was Wur­zeln bedeu­ten. Eben die­se Suche durch­zieht auch sein groß­ar­ti­ges Album „Uneven Sky“. Sie for­mu­liert sich etwa in dem Stück The Fence, the Roof­top and the Distant Sea, einer Kom­po­si­ti­on für Kla­ri­net­te und Cel­lo, das Azmeh für sich und Yo-Yo Ma geschrie­ben hat. Zaun, Haus­dach, das ent­fern­te Meer – das alles erblick­te der Kla­ri­net­tist aus dem Fens­ter in Bei­rut, wo er 2016 ­kom­po­nier­te. In der Nähe und zugleich unend­lich fern von Damas­kus. Wie leben­dig das syri­sche Kunst­schaf­fen trotz allem bleibt, das bewei­sen – auf der zwei­ten CD – die Wer­ke für Kla­ri­net­te und ­Orches­ter, die Azmehs Lands­leu­te Kare­em Roustom, Zaid Jabri und Dia Suc­ca­ri für ihn geschrie­ben haben.

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Kin­an Azmeh: „Uneven Sky“, Deut­sches Sym­pho­nie-Orches­ter Ber­lin, Manu­el Nawri (Drey­er Gai­do
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