Die Zustände während Katharina Wagners Krankheit gaben Anlass, die Festspiel-Intendantin hofft auf Unterstützung durch die Politik.

Von Axel Brüggemann

Ausgerechnet an jenem Tag, als bekannt wurde, dass 2020 fast 90.000 Soloselbstständige Hartz IV beantragt haben, sorgte eine Aussage von Kulturstaatsministerin Monika Grütters für Irritation: Grütters wolle die „Strukturen der Bayreuther Festspiele“ überprüfen, sagte sie der dpa, es ginge unter anderem auch um die „Außenwirkung der Festspiele“, aber auch um organisatorische Abläufe. Der Rolle der Familie Wagner, beziehungsweise der Intendantin Katharina Wagner, stärkte Grütters in ihrer Aussage ausdrücklich den Rücken. 

Irritierend ist, dass der öffentliche Vorstoß der Kulturpolitikerin wohl nicht abgestimmt war. CRESCENDO erreichten zahlreiche Anrufe und Mails, in denen sich Teile des Stiftungsrates und Kulturpolitiker der Regierungskoalition irritiert über Grütters’ Aussagen zeigten. Vor allen Dingen ist unklar, was genau die Kulturstaatsministerin mit ihrem Vorstoß bezweckt, welche Strukturen sie konkret überprüfen will und warum dieser Vorstoß ausgerechnet in einer Zeit kommt, in der es drängendere kulturpolitische Aufgaben, etwa die Abwicklung der „Novemberhilfen“, gäbe. Unklar auch, auf welche Strukturen sich Monika Grütters bezog, auf jene der Festspiele oder der Richard-Wagner-Stiftung. „Die Steuergelder ‚gehören‘ nicht der Regierung“, wendete ein Koalitions-Politiker ein, von Bayreuther „Strukturproblemen“ sei bislang nichts bekannt geworden, und der Stiftungsrat sei von Grütters nicht über ihren Vorstoß informiert gewesen.

Genau das aber behauptet der Sprecher von Monika Grütters, Joachim Riecker, nun auf Anfrage von CRESCENDO. Er betont in seiner Stellungnahme, dass Grütters seit „einiger Zeit im Gespräch mit den anderen Gesellschaftern“ sei. Riecker weiter: „Es geht gerade auch nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres mit dem zeitweiligen krankheitsbedingten Ausfall der künstlerischen Leiterin und vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie darum, die Bayreuther Festspiele, die im internationalen Rampenlicht stehen, zukunftsfähig zu halten. In diesem Sinne die Geschäftsführung zu stärken, ist eine selbstverständliche Aufgabe der Gesellschafter.“ Außerdem gingen die nun von der dpa veröffentlichten Aussagen auf Mitte Dezember zurück.

Monika Grütters selber befindet sich derzeit im Urlaub, hat gegenüber CRESCENDO aber angekündigt, am 6. Januar Stellung zu ihren Plänen zu beziehen. 

Katharina Wagner reagierte derweil mit folgendem Statement: „Ich bin erfreut zu lesen, dass Frau Staatsministerin Prof. Monika Grütters zum jetzigen Zeitpunkt trotz anderweitiger großer Herausforderungen und Probleme, welche es im kulturellen Bereich zu lösen gibt, die seit Jahren auch von mir in Frage gestellten, veralteten Strukturen nunmehr erneuern möchte, um der Bayreuther Festspiel GmbH, deren Mitarbeiter und nicht zuletzt der Leitung ein zeitgemäßes und effektives Arbeiten auf weiterhin höchstem künstlerischen Niveau zu ermöglichen.“      

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Axel Brüggemann
Axel Brüggemann glaubt, dass Musik das Leben verändern kann. Darüber hat er zunächst bei der WELT am SONNTAG geschrieben, bei der er auch Textchef war. Später schrieb er für die FAS und die Jüdische Allgemeine. Heute ist der ehemalige crescendo-Chefredakteur hauptsächlich fürs Fernsehen tätig: für arte, ZDF und SKY. Für seine Bayreuth-Moderationen wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Brüggemanns Dokumentarfilme suchen stets nach dem Zusammenhang von Musik und Mensch.

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