Orchestrale Wucht

Das Finnish Radio Symphony Orchestra unter Hannu Lintu erinnert an den 1970 verstorbenen Komponisten Bernd Alois Zimmermann.

Die Werke von Bernd Alois Zimmermann haben auch Jahrzehnte nach dessen Tod nichts von ihrer Brisanz verloren. Ihre musikalische Relevanz ist aktuell wie zur Zeit ihrer Uraufführung, ihre Faszination und Authentizität haben nichts von ihrer ursprünglichen Qualität eingebüßt. Mehr noch als manche Werke aktueller Zeitgenossen, lassen Werke wie die hier eingespielten Photoptosis und die Vocalsinfonie Die Soldaten in Abgründe blicken. Sie berühren, ja erschüttern. Das Finnish Radio Symphony Orchestra unter Hannu Lintu reizt diese beiden Werke Zimmermanns vollends aus. Mit unbändiger orchestraler Wucht aber auch feinem Klangsinn zeichnen die Musiker ebenso monströse Klangeruptionen wie feinste Verästelungen der hochkomplexen Partituren nach. Das frühe Violinkonzert, das durchaus noch Einflüsse von Klassikern der Moderne wie Strawinsky oder Schostakowitsch ahnen lässt, wird von Leila Josefowicz mit großartigem Aplomb gespielt.

Bernd Alois Zimmermann: „Violin Concerto”, „Photoptosis” u.a., Leila Josefowicz, Finnish Radio Symphony Orchestra, Hannu Lintu (Ondine)
Zu beziehen u.a. bei: www.amazon.de
Und anzuhören in der NML

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Guido Krawinkel
Guido Krawinkel schreibt über alles, was mit Musik zu tun hat. Dem Studium der Musikwissenschaften in Bonn folgten Tätigkeiten in der Tonträgerbranche, beim Radio und im Verlagswesen sowie eine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker. Als freier Journalist arbeitet Guido Krawinkel für Zeitungen, Zeitschriften und Konzerthäuser, schreibt Rezensionen, CD-Booklets und Programmeinführungen und ist Mitglied in der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Der begeisterte Chorsänger hält es mit Loriot: Ein Leben ohne Chor ist möglich, aber sinnlos.

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