Nordischer Ton

Hannu Lintu

Hannu Lintu dirigiert das Finnische Radio-Sinfonieorchester bei der Aufführung von Jean Sibelius’ Vertonung des finnischen Nationalepos „Kalevala“.

Es war ein jugendlicher Geniestreich: Jean Sibelius, noch sinfonischer Nobody, bringt 1892 unter widrigen Umständen seine Vertonung des finnischen Nationalepos Kalevala zur Aufführung. Die muss Augen- und Ohrenzeugenberichten zufolge denkwürdig gewesen sein, genauso wie das Werk an sich, das nicht nur Finnen auch heute merklich beeindruckt. Noch tief in Bruckners Fußstapfen, beweist Sibelius schon in seinem sinfonischen Erstling Format und kompositorisches Profil.

Hannu Lintu, der Chefdirigent des Finnischen Radio-Sinfonieorchesters
(Foto: © Veikko Kähkönen)

Der vielfach apostrophierte „nordische Ton“, hier ist er in Reinkultur zu erleben. Zumal, wenn man diese Aufnahme des Finnischen Radio-Sinfonieorchesters unter Hannu Lintu in den Player schiebt. Die Männerchöre röhren mit markigem Timbre, das Orchester spielt mit melancholischem Brio und einigem Nachdruck. Man wähnt sich mit einem Mal geradezu in die Zeit des titelgebenden Helden Kullervo zurückversetzt. 

Jean Sibelius: „Kullervo”, Johanna Rusanen, Ville Rusanen, Estonian National Male Choir, The Polytech Choir, Finnish Radio Symphony Orchestra, Hannu Lintu (Ondine)
Zu beziehen u.a. bei: www.jpc.de
Und anzuhören in der NML

Mehr von Hannu Lintu und dem Finnish Radio Symphony Orchestra auf crescendo.de

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Guido Krawinkel
Guido Krawinkel schreibt über alles, was mit Musik zu tun hat. Dem Studium der Musikwissenschaften in Bonn folgten Tätigkeiten in der Tonträgerbranche, beim Radio und im Verlagswesen sowie eine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker. Als freier Journalist arbeitet Guido Krawinkel für Zeitungen, Zeitschriften und Konzerthäuser, schreibt Rezensionen, CD-Booklets und Programmeinführungen und ist Mitglied in der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Der begeisterte Chorsänger hält es mit Loriot: Ein Leben ohne Chor ist möglich, aber sinnlos.

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