Das Erscheinungsbild des Ritters hat sich in unserem Geschichtsbewusstsein eingeprägt. Hoch zu Ross, mit Schwert und Lanze bewaffnet und geschützt von Helm, Panzer und Schild – so begaben sich die Ritter, dem Ideal des miles christianus nachstrebend, auf die Kreuzzüge, und so traten sie bei Hoffesten glanzvoll in Erscheinung. Höhepunkt dieser Feste war das Turnier, ein in Frankreich in neue Formen gefasstes Kampfspiel, das vor den Augen des gesamten Hofes, einschließlich der höfischen Damen durchgeführt wurde. Die Damen fungierten als Schiedsrichter und erwiesen dem Sieger ihre Gunst. 

Das Kaltenberger Ritterturnier greift die Tradition dieser Hoffeste auf und spielt sie seit 40 Jahren nach. Das Spiel zum Jubiläum des Festivals hatte am Wochenende vom 12. bis 14. Juli 2019 Premiere. Zu sehen war in der Arena auf Schloss Kaltenberg die choreografierte Ritterturniershow „Kampf der Brüder“. Dramaturg Thomas Limpinsel und Regisseur Alexander May entwarfen eine Handlung um die Figur des Schwarzen Ritters. Dieser wurde von Frédéric Laforêt verkörpert.

Der Pferdespezialist Mario Luraschi kam mit seiner Truppe Cavalcade aus Frankreich. Der Name setzt sich zusammen aus „cavalier“ (Reiter) und „casacade“ (Stunt). Luraschi, der von Kindheit an eine Leidenschaft für Pferde hat und mit seiner Pferdeakrobatik an zahlreichen Filmen mitwirkte, ist Regisseur der Stunt-Szenen, die die Akrobaten hoch zu Ross vorführten.

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Darüber hinaus gestalteten mehrere hundert Künstler wie die Band Corvus Corax, die Marktmusikanten Bene Vobis, der Barde Barlhow und die Schwyzerdütsch singende Gruppe Koenix sowie Artisten wie die Gruppe Hypnotica mit ihrer Feuershow, Desmodium mit ihren fantasievollen Kostümen, die Flugträumer mit ihren poesievollen Jonglagen, der Gaukler Tamino und andere Künstler ein Rahmenprogramm, das eine malerische Mittelalterwelt entstehen ließ.

www.ritterturnier.de

 

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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