Ilya Gringolts schlägt mit Violinwerken von Johann Sebastian Bach, Brice Pauset und anderen eine Brücke zwischen Alter und Neuer Musik. 

Ein phänomenaler Hybrid aus russischer und amerikanischer Schulung, ist Ilya Gringolts heute einer der technisch bestechendsten Geiger. Das vorliegende Programm ist Ergebnis seines gelebten Spagats zwischen den Experimentierfeldern der Alten und der Neuen Musik, und unmittelbarer Ausdruck dessen ist die 2008 komponierte Kontrapartita des 1965 geborenen Franzosen Brice Pauset, deren sieben Sätze sich auf sieben Sätze aus Bachs Solopartiten beziehen, die ihnen hier direkt gegenüber gestellt werden – jeweils mit abschließender Chaconne. 

Ein Verlauf voller Unwägbarkeiten

Das betont Fragmentarische, rein Klangeffektbezogene der Pauset’schen Stücke hat insofern Konsequenzen für die Darbietung der Musik Bachs, als Gringolts auch jene ganz gezielt ihres nachvollziehbaren Zusammenhangs entledigt und ihr die Anmutung eines geradezu zufälligen Verlaufs voller Unwägbarkeiten verleiht. In Roberto Gerhards meisterhafter Chaconne, einem komplexen Schlüsselwerk der Soloviolinliteratur von 1959, stellt Gringolts seine ganze überragende virtuose Klasse unter Beweis.

Heinz Holliger, Roberto Gerhard, Brice Pauset u.a.: „Ciaccona“, Ilya Gringolts (BIS Records)

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