Ioan Holender
Servus TV-Moderator Ioan Holender im Teesalon der Staatsoper Wien (Foto: © Hoermandinger)

Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er-Jahre wurden die Namen der Regisseure meistens gar nicht genannt. Enrico Caruso schickte bei seinem Debüt an der Wiener Staatsoper im Jahre 1906 seinen Sekretär zur Bühnenprobe, der ihm nachher über das szenische Geschehen berichtete. Noch Herbert von Karajan probte bis zur Fertigstellung des szenischen Arrangements und der Beleuchtungsproben mit Statisten, während das Orchester per Tonband eingespielt wurde.

Das Regiekonzept intensiv erarbeitet

Erst bei Konstantin Stanislawski, Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko und später bei Franco Zeffirelli, Giorgio Strehler, Jean-Pierre Ponnelle, Günther Rennert, Wieland Wagner u.a. wurde das Regiekonzept intensiv und ausgiebig mit den singenden Interpreten erarbeitet.

Das Übel der theaterfremden Koproduktionen

Heute sollte der Regisseur – neben dem Dirigenten und den Sängern – ein gleichwertiger Bestandteil einer Opernproduktion sein. Manchmal ist dieser jedoch der primus inter pares, was sich ungut auswirkt. Das Übel der theaterfremden Koproduktionen macht sich immer breiter. Man erarbeitet eine Inszenierung mit dem Regisseur, und nachher geht das Bühnenbild samt den Kostümen auf Reisen in andere Theater. In diesen – es sind meistens mehrere Orte – wird das szenische Geschehen mit ganz anderen Sängern und Dirigenten von einem Regieassistenten, selten auch vom ursprünglichen Regisseur einstudiert, indem die Interpreten gezwungen werden, möglichst genau so zu agieren, wie jene der ersten Einstudierung.

Von Oman um die Welt

Die Ende März im Sultanat Oman entstehende Inszenierung von Léo Delibes‘ Lakmé etwa geht anschließend in Koproduktion an die Los Angeles Opera, das Teatro dell’Opera di Roma, die Fondazione Arena di Verona, das Teatro Carlo Felice di Genova, das Cairo Opera House, die Astana Opera in Kasachstan, das National Centre for Performing Arts of Beijing und die Opera Australia und zwar in jeweils anderen Besetzungen.

Regie – ein kreativer Akt

Regie ist ein kreativer Akt. Sie hängt von denen ab, die singen und agieren, und deren jeweiliger Persönlichkeit. Die zweite, dritte und weitere Wiederholung des originalen Regiekonzepts zwingt dazu, das zu tun, was jene der Ko-Inszenierung taten. War der erste Otello klein und dick, muss jener der nachfolgenden Koproduktion tunlichst so agieren wie er, auch wenn er groß und schlank ist.

Geld gespart

Das ursprüngliche Regiekonzept wird weiterverkauft, das Bühnenbild ebenso, und die Gestalter der ersten Inszenierung erhalten Tantiemen – ob sie weiter dabei sind oder nicht. Natürlich ersparen sich die mitmachenden Abnehmer durch solche Koproduktionen das Geld für die Herstellung der Bühnenbilder. Künstlerisch gesehen, beschränkt sich jedoch die ganze Operation auf reisende Dekorationen.

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