Ioan Holender
Servus TV-Moderator Ioan Holender im Teesalon der Staatsoper Wien (Foto: © Hoermandinger)

Die Oper ist die szenische Erzählung der Komposition. Aber kann man das noch so erleben? Die konzertanten Aufführungen von Opernwerken verbreiten sich in den letzten Jahren wie eine Hydra mit immer größeren Armen.

Die Unsitte der simplifizierten Wiedergabe

Die Unsitte der simplifizierten Wiedergabe dieser Un-Form begann mit der Renaissance der Barockopern, die derzeit weitgehend in konzertanter Weise aufgeführt werden, obwohl jedermann bekannt ist, dass Barockopern in der Blütezeit ihrer Entstehung von Cesti, Monteverdi bis Händel immer und überall in prachtvoller Ausstattung als Gesamtkunstwerk für Auge und Ohr aufgeführt wurden. Die mythologischen Vorlagen von Homer bis Ovid und bis zu den germanischen Heldensagen sind heute dem Publikum und auch den szenischen Gestaltern nicht mehr bekannt, und eine szenische Wiedergabe wird – ob in historischer Form oder im Versuch, die Handlung heutig zu erzählen – nicht intendiert.

Schnelles Geld für alle

Nicht nur bei den Salzburger Festspielen greift die künstlerische Unsitte um sich, dass man unbedenklich Werke konzertant aufführt, in denen ein verkaufsträchtiger Mitwirkender besetzt werden kann. Die dramaturgisch programmatische Rechtfertigung dazu ist die kurze Probenzeit, die Zweitrangigkeit des „begleitenden“ Orchesters, keinerlei Dekoration und natürlich der gute Verkauf zu denselben Bedingungen – sprich zu denselben Preisen – wie die teuren szenischen und lange geprobten Aufführungen. Also sind alle froh und zufrieden, der Veranstalter ebenso wie das Publikum, das sich nicht bemühen muss, eine szenische Gestaltung zu verstehen oder sich damit zu beschäftigen und vor allem die zu schnellem Geld gelangten Sänger.

Die Garderobe der Solisten als bezahlte Modenschau

Hinzu kommt die Garderobe der Solisten als bezahlte Modenschau. Werden sinfonische Werke aufgeführt, bei denen Sänger mitwirken, kleiden sich diese zumeist in Abendkleid und Frack. Bei konzertanten Operndarbietungen dagegen zeigen die Sänger und vor allem die Solistinnen wahrhaft schrille Modevorführungen, für die sie von Modeschöpfern auch noch bezahlt und beschenkt werden. Auf diese Weise wird die Oper immer mehr zum Konsumgut.

ANZEIGE

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here