Ioan Holender-Kolumne

Ein Film­star ist kein Opern­re­gis­seur

von Ioan Holender

16. Juli 2020

Ioan Holender wirft anhand von Beethovens „Fidelio“ einen kritischen Blick auf das Streamen von Opernaufführungen.

Nun hat also – laut Eigen­de­fi­ni­tion die Welt­haupt­stadt der Musik – alle drei Vari­anten von Beet­ho­vens einzigem Bühnen­werk szenisch aufge­führt. Wohl um noch­mals zu beweisen, was schon der Kompo­nist wusste, nämlich, dass die dritte Fassung die weit Beste ist. Beet­hoven wusste sein Können besser einzu­schätzen als wir!

Oper im Fern­sehen – eine fade Sache

Das Theater an der Wien wollte der virus­rei­chen Zeit trotzen und eine im leeren Saal gespielte Neupro­duk­tion im Fern­sehen zeigen, um vor allem die Insze­nie­rung des in der Film­welt sehr bekannten Öster­rei­chers Chris­toph Waltz zu zeigen. Bewiesen wurde mit dieser Aktion jedoch nur, was wir schon wussten: dass man in einem Bühnen­raum, bestehend aus Treppen, die in jede Rich­tung führen, jede belie­bige Oper, also auch Fidelio spielen kann, dass Oper im Fern­sehen – ohne die Emotionen der Bühne samt Publikum – eine fade Sache ist und dass Treppen hinauf- und hinun­ter­gehen, noch keine Insze­nie­rung ergeben.

Desin­ter­es­siert an Opern – der ORF

Dass das bekann­ter­maßen an Opern desin­ter­es­sierte öster­rei­chi­sche Staats­fern­sehen ORF die Über­tra­gung erst gegen elf Uhr nachts begann, ist genauso wenig über­ra­schend wie, dass die kein erst­klas­siges Opern­or­chester sind, auch dann nicht, wenn der Konzert­meister des Staats­opern­or­ches­ters am ersten Pult spielt und somit seinem diri­gie­renden Bruder behilf­lich ist. Die Leis­tung des Orches­ters blieb besten­falls durch­schnitt­lich, genauso wie jene des aus aller Welt zusam­men­ge­wür­felten Sänger­ensem­bles.

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Fotos: Servus TV / Hoermandinger