Ivan Ilić lässt mit seinem Projekt „Reicha Rediscovered“ über den Beethoven-Zeitgenossen Antonín Reicha staunen. 

Der Prager Antonín (auch Antoine oder Anton) Reicha wurde wie Beethoven 1770 geboren, wirkte als Geiger der kurfürstlichen Kapelle, dann in Wien und später in Paris. Er komponierte neben einer Kompositionslehre mehrere Opern, ein Requiem, Kantaten viel (Bläser-) Kammermusik und ein an Sonaten, zahlreichen Fugen und riesigen Variations-Zyklen reiches Klavierwerk. Seit 2016 erschließt Henrik Löwenmark letzteres in einer bislang auf vier CDs angewachsenen Gesamtaufnahme. Ivan Ilić begann 2017 mit Reicha Rediscovered und ist bei CD drei angekommen. 

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Ivan Ilić führt in Antonín Reichas L’Art de varier ein.

Nach Anthologien von Einzelwerken, Sonaten und den gewaltigen, eine Stunde dauernden Études dans le genere Fugué hat er sich jetzt L’Art de varier ou 57 variations pour le piano op. 57 vorgenommen. Das ist mit fast 87 Minuten der vielleicht längste Variationszyklus der Musikgeschichte, auch von Beethovens Diabelli-Variationen 1823 diesbezüglich nicht übertroffen. Ihnen setzte Reicha seine wieder 57 Variationen op. 102, veröffentlicht 1824, entgegen. 

Lyrisch, dramatisch und verblüffend

Komponiert 1803/04, staunt man im 20 Jahre älteren op. 57, wie reich die Vielfalt der Begleitungen und Ausgestaltungen des Themas und seiner „Veränderung“ ist, mal mehr, mal weniger polyphon, mal ganz schlicht choralhaft, mal üppig orchestriert (wie die Nr. 21) oder nur mit der linken Hand zu spielen (Nr. 26). Einiges klingt ganz lyrisch, manches ist dramatisch aufgeladen; einerseits dominiert klassische Harmonik, dann wieder verblüffen fast kühne harmonische Verbindungen. Immer wieder beleuchtet Reicha das sehr barock eben- und regelmäßige Thema neu und überrascht den Hörer fast immer. Ivan Ilić wird allen Facetten dieses faszinierenden Werks mit großer pianistischer Farbigkeit und Eloquenz gerecht.

Maher zu Antonín Reicha und Ivan Ilić unter CRESCENDO.DE

Ivan Ilić: „Reicha Rediscovered. Vol. 3” (Chandos)

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