Das Jewish Chamber Orchestra Munich folgt vom 28. Oktober bis 15. November 2021 mit Konzerten in Hamburg, Chemnitz, Stuttgart, Köln, München, Kassel, Bielefeld, Düsseldorf und Berlin der Verbreitung der Volksbühnen um die Jahrhundertwende.

Das Jewish Chamber Orchestra Munich erinnert mit einer Tournee an die Volksbühnen der Jahrhundertwende. 1890 gründete die sozialistische Arbeiterbewegung in Berlin die Freie Volksbühne. Ihr Ziel war die Abschaffung des Theaterprivilegs des Bürgertums und der Aufbau einer Arbeiterkultur auf dem Gebiet des Theaters. Gespielt wurde zunächst an Sonntagvormittagen in gepachteten Theatern. Der Eintrittspreis war einheitlich niedrig, und die Plätze wurden gelost. 

Ein revolutionäres Theater

Am 30. Dezember 1914 eröffnete am Bülowplatz ein eigenes Haus. Direktor wurde Max Reinhardt. Wie er waren zahlreiche Juden in der Verbreitung der Volksbühnen engagiert, und es erfolgten Gründungen über Berlin hinaus. Von 1924 bis 1927 wirkte in Berlin Erwin Piscator als Oberspielleiter. Seine Bemühungen um ein revolutionäres Theater stießen jedoch nicht auf Zustimmung. 1933 lösten die Nationalsozialisten den Verband der Volksbühnen auf, und das Theater in Berlin wurde im Krieg zerstört. 

Ein literarisch-musikalischer Abend

Das Jewish Chamber Orchestra Munich gastiert auf seiner Tournee unter seinem Gründer und Leiter Daniel Grossmann in den Städten Hamburg, Chemnitz, Stuttgart, Köln, München, Kassel, Bielefeld, Düsseldorf und Berlin. Es lädt ein zu einem literarisch-musikalischen Abend mit Texten jüdischer Theaterkünstler, vorgetragen von Christian Brückner und Gesine Cukrowski, und Kompositionen von Mieczysław Weinberg, Felix Mendelssohn Bartholdy und Tsvi Avni, der nach seiner Emigration nach Palästina die israelische Musikszene wesentlich mitgestaltete.

Weitere Informationen zur Volksbühnen-Tournee des Jewish Chamber Orchestra Munich vom 28. Oktober bis 15. November 2021 in den Städte Hamburg, Chemnitz, Stuttgart, Köln, München, Kassel, Bielefeld, Düsseldorf und Berlin unter: www.jcom.de

Fotos: Robert Brembeck

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Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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