Joan Baez feiert am 9. Januar 2021 ihren 80. Geburtstag. Das Protestlied We Shall Overcome wurde zu ihrem Markenzeichen. Gewaltlosigkeit lautet ihre Botschaft. Dafür singt und malt sie auch heute noch. 

Wenn sie singt, so einzigartig, wird sie zum Lied und es ist ihres. Egal, wer es vorher gesungen oder geschrieben hat, es wird ihr eigenes – und sie zu ihm“, schwärmte einst der Dichter Langston Hughes von Joan Baez. Noch bevor sie begann, selbst ihre Lieder zu schreiben, gehörte es zu den besonderen Gaben von Joan Baez, Lieder oder Arrangements so zu interpretieren, dass sie zu ihren eigenen wurden.

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Ein Video der Universität von Boston zeigt den Marsch auf Washington am 28. August 1963, bei dem Joan Baez das Protestlied We Shall Overcome sang.

Joan Baez sang gegen Intoleranz und für politische und soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Gewaltlosigkeit lautete ihre Botschaft, die sie verkündete, wo immer sie hinkam. „Historisch gesehen, wurde Gewalt immer durch Macht größerer Gewalt unterdrückt. Es ist offensichtlich, dass dieses Prinzip noch nicht zu einem guten Ende geführt hat.“ 1963 sang Joan Baez auf dem von Martin Luther King angeführten Marsch auf Washington den alten Protestsong We Shall Overcome, der fortan zu ihrem Markenzeichen wurde. Im Jahr darauf trat sie im Rahmen der Free Speech Movement beim Aufstand der Studenten an der Universität von Berkeley auf. Dabei war es ihr ein besonderes Anliegen, die protestierenden Studenten von der Idee der Gewaltlosigkeit zu überzeugen. Als der amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson die ersten Bombenabwürfe auf nordvietnamesische Ziele befahl, weigerte sie sich ihre Steuern zu bezahlen, um zu verhindern, dass mit dem Geld Waffen finanziert würden.

Joan Baez und Bob Dylan
Joan Baez und ihr „Dadakönig“ Bob Dylan: Sie machte ihn bekannt, er sie politisch.

Bob Dylon, den sie liebevoll „Dadakönig“ nannte und dem sie durch gemeinsame Auftritte in den USA zu Bekanntheit verhalf, war es gewesen, der in ihr den Wunsch weckte, sich mit ihren Liedern für die Bürgerrechtsbewegung einzusetzen. Vor allem sein The Times They Are A‑Changin’ bewegte sie tief. „Diese Texte waren es, die mich von meinen ästhetisch vergeistigten, wenngleich ursprünglichen Balladen wegbrachten und mir den Schritt in die zeitgenössische Musikszene der 60er-Jahre ermöglichten“, erläuterte sie. „Ich spürte, wie weit meine alten Lieder von Tagesproblemen entfernt waren.“ Von nun an bestimmten politische Inhalte ihre Programme und Auftritte. Sie wandte sich gegen Rassendiskriminierung und begleitete mit ihren Liedern die Bürgerrechtsbewegung.

Joan Baez als Heilige Johanna der Folk-Music
Als „Heilige Johanna der Folk-Music“ wurde Joan Baez gefeiert.

Ihre Laufbahn hatte Joan Baez als Folksängerin begonnen. 1941 in Staten Island im amerikanischen Bundesstaat New York als Tochter einer Schottin und eines mexikanischen Physikers geboren, entdeckte sie in den späten 50er-Jahren ihre Liebe für den Folk. Sie schloss sich verschiedenen Gruppen an und trat als Sängerin in diversen Folkclubs auf. Den Durchbruch bescherte ihr 1959 ein Auftritt beim Newport-Folk-Festival, zu dem sie der damals sehr populäre Folksänger Bob Gibson eingeladen hatte. Joan Baez sang die Lieder Donna, Donna und The House of the Rising Sun sowie mit Gibson Virgin Mary had one Son und Jordan River. „Als wir von der Bühne kamen, machte man einen Riesenwirbel um mich“, erinnerte sich Joan Baez in ihrer Autobiografie And a voice to sing with. „Raus aus dem einen Zelt, rein in das nächste. Die Presse, Studentenzeitungen, Auslandskorrespondenten und – das Magazine Time. Der Time erklärte ich lang und breit, wie mein Name auszusprechen sei, der schließlich doch in der Time falsch gedruckt und, solange ich denken kann, falsch ausgesprochen wurde. Man sagt nicht, ‚Bai-ess‘, eher klingt er wie das deutsche ‚Bais‘, aber was soll’s.“

Joan Baez vor den von ihr gemalten Bildern
Joan Baez vor den von ihr gemalten Porträts von Menschen, die die Welt verändern

2018 nahm Baez ihren Abschied von der Bühne. Viele Preise erhielt sie im Laufe ihrer Karriere, darunter an der Seite von Ai Weiwei den Award von Amnesty International. 2020 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen. Während der Pandemie singt sie von Zuhause für „All the Heroes of our Time“, die in der Krankenpflege tätig sind, die Regierungsverantwortlichen, die herausfinden müssen, wie sie ihre Bürger schützen und für alle, die arbeiten müssen und nicht zu Hause bleiben können. Und sie malt Porträts von Menschen, die die Welt verändern. Die Eröffnung anlässlich ihres 80. Geburtstages gibt es im Stream.

Weitere Informationen zu Joan Baez und ihren Aktivitäten unter: www.joanbaez.com
Stream zum Ausstellungsabend anlässlich ihres 80. Geburtstages „Joan Baez Mischief Makers 2“: go.seated.com
Joan Baez singt „For All the Heroes of our Time” unter: www.youtube.com

Joan Baez: „Whistle Down the Wind” (Proper, 2018)

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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