Biedermeier-Revue

Jürgen Flimm

Jürgen Flimms Inszenierung von Robert Schumanns „Faust-Szenen“ in der Ausstattung von Markus Lüperts und mit Daniel Barenboim am Pult der Staatskapelle auf zwei CDs.

Robert Schumann kann man schwerlich vorwerfen, er habe in seinen Faust-Szenen Teile der Tragödie Goethes aus biedermeierlicher Spießerperspektive vertont.

Jürgen Flimm setzt ein Spektakel in Szene

Jürgen Flimm aber setzt zwischen zwei portalhohen Figuren und den bunten Wänden von Markus Lüpertz ein Spektakel in Szene, das alles feiert, was geht: Von Goethes Schau auf die Welt bleiben die ästhetisierende Suche nach dem schönen Augenblick und von seinen Reflexen auf die Industrielle Revolution eine typgerechte Wichtel-Parade des Kinderchors. Musikalisch ist alles vom Feinsten: Ein markant-sensibler Roman Trekel in der Titelpartie und neben ihm viele Solisten, die das Profil der Deutschen Staatsoper kontinuierlich bereichern. Die Staatskapelle macht die zwischen Kantate, Oratorium und Oper angesiedelte Partitur unter Daniel Barenboim zum Fest – bis zum Finale, bei dem sich Gretchen mit den bereits ihrer Mutter verabreichten K.O.-Tropfen abschießt.

Robert Schumann: „Scenes from Goethe’s Faust”, Roman Trekel, Elsa Dreisig, René Pape u.a., Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor, Daniel Barenboim (Arthaus)

Zu beziehen u.a. bei: www.jpc.de 

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Roland H. Dippel brennt für Kontraste im groß(artig)en wie im klein(formatig)en Musik-, Tanz- und Konzert-Theater. Auf Entdeckungsreisen zu idyllischen Nischen und verwegenen Momenten folgt er freudig apollinischen Verheißungen und dionysischen Lockrufen. Boulevard, Belcanto, Brauchtum, ästhetische Exzesse in Literatur und Kunst sind Ziele seiner realen und fiktiven Abenteuer-Streifzüge. Er schätzt greifbare Bücher mehr als E-Books.

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