Juliette Gréco starb im Alter von 93 Jahren in ihrem Haus in Ramatuelle.

Chansons wie Si tu t’imagine…, L’éternel féminin, L’ombre, La valse brune, Toi que j’aime und Ta jalousie ließen sie weltberühmt werden. Als „Königin der Existenzialisten“ und „Schwarze Muse von St.-Germain-des-Prés“ wurde sie gefeiert. Jean-Paul Sartre, Albert Camus, François Mauriac und Jean Cocteau schrieben die Texte ihrer Lieder, in denen sich Lebenshunger und Ekel vor dem Dasein artikulierten.

Das vergossene Blut ist rot.

1927 in Montpellier geboren, verbrachte sie eine wenig glückliche Kindheit, überschattet vom Tod der Großeltern, bei denen sie aufwuchs, und dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich. Das Trauma der deutschen Besatzung veranlasste sie nach dem Krieg, sich den Kommunisten anzuschließen. „Zu dieser Zeit erscheint ihr der Kommunismus als das einzige Mittel, dem ihr sich eröffnenden Leben einen Sinn zu verleihen. Es zu rechtfertigen. Kampf für den Sieg, für sie selbst, für die anderen. In ihrem Gedächtnis bluten immer noch die frischen Wunden der Tortur. Das vergossene Blut ist rot. Unsere Helden sind, waren oder werden Kommunisten“, schrieb sie in ihrer in der dritten Person verfassten Autobiografie Jujube, die auf Deutsch unter dem Titel Ich bin, die ich bin erschien.

In den Existentialisten-Kellnern von Paris

Ihre Karriere begann sie zunächst als Schauspielerin.1942 erhielt sie durch Vermittlung von Solange Sicard, der ihr Schauspielunterricht erteilte, ihre erste Rolle als Meereswelle in der Théâtre-Français-Produktion von Paul Claudels Le soulier de satin. 1946 spielte sie unter der Regie von Michel de Ré in Roger Vitracs Komödie Victor ou les enfants au pouvoir. Gleichzeitig trat sie in den Existentialisten-Kellnern im Pariser Künstlerviertel St.-Germain-des-Prés Als Chansonette auf. Gekleidet in eng anliegendem Schwarz und mit dunkel umränderten Augen, sang sie im Tabou, das sie 1946 mit Anne-Marie Cazalis gründete, in der Rose Rouge und im Café Flore ihre schwermütige Chansons.

Erster Auftritt in Deutschland

1959 trat sie nach langem Zögern zum ersten Mal in Deutschland auf. Seither war sie immer wieder auf deutschen Bühnen zu erleben. 1985 sang sie im Hamburger Schauspielhaus in der Revue Marlene Lieder von Marlene Dietrich. 1987 gastierte sie neben Michael Heltau bei den Schwetzinger Festspielen, und 1988 gab sie in München ein umjubeltes Konzert im Deutschen Theater. 2002 verzauberte sie bei einem Auftritt in der Berliner Philharmonie Publikum und Kritiker. Von ihrem Ehemann Gérard Jouannest am Klavier begleitet, sang sie „ganz nonchalant und unsentimental“ die Klassiker von Charles Trenet, Jacques Brel und Jacques Prévert. 2015 unternahm sie ihre Abschiedstournee, die sie auch nach Deutschland führte. Am 23. September 2020 verstarb sie im Alter von 93 Jahren in ihrem Haus in Ramatuelle in Südfrankreich. Der Nachwelt hinterlässt sie Hunderte von Liedern und Interpretationen. 

(Fotoquelle: picture alliance/Heritage Images)

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Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.