Karel Appel hinterließ ein gewaltiges Œuvre. Sein auf spontanen, intuitiven Selbstausdruck zielendes Schaffen umfasste Malereien, Plastiken, Skulpturen, Grafiken und Arbeiten für die Bühne. Am 25. April 2021 jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal. Das Cobra Museum für moderne Kunst in Amsterdam zeigt aus diesem Anlass in einem filmischen Rundgang Werke aus seiner Sammlung und bietet ein Festprogramm. 

Karel Appel war einer der bedeutendsten europäischen Vertreter der expressiven Improvisation. Er selbst sprach vom inneren Licht, das sich in ihm entzünde und ihn in Kontakt mit dem Universum bringe. Damit setze der Schöpfungsprozess ein, der für Appel spontaner psychischer Selbstausdruck war. Intuitiv und ungebändigt brachte er die Farbe auf die Leinwand.

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Karel Appel bei der Arbeit in seinem Atelier

Verschiedene Techniken brachte Appel zum Einsatz. Er arbeitetet mit Spachteln, Pinseln, drückte die Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand oder warf sie auf die Leinwand. Einen vorgezeichneten Weg gab es nicht. Der Akt des Malens folgte einem inneren Antrieb. Die Farben, Formen und Liniengefüge lösten Assoziationen aus und setzten das Unbewusste in Gang. Mit dem „spirituellen Orgasmus“, wie Appel es nannte, erreichte der Malvorgang seinen Höhepunkt.

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Karel Appel schuf die Ausstattung für Pierre Audis Inszenierung der Oper Noach von Guus Janssen und Friso Haverkamp.

Immer wieder setzte Karel Appel sich auch mit anderen Künsten auseinander. So erarbeitete er 1987 mit dem Tänzer und Choreografen Min Tanaka für die Pariser Oper das Projekt Peut-on danser le paysage? (Kann man die Landschaft tanzen?), das auch in New York und Amsterdam gezeigt wurde. 1944 schuf er die Ausstattung für die Uraufführung der Oper Noach von Guus Janssen und Friso Haverkamp nach der Vorlage der Genesis in einer Inszenierung von Pierre Audi. Mit Audi arbeitete er auch kurz vor seinem Tod bei den Salzburger Festspeilen zusammen. Er entwarf das Bühnenbild für Audis Inszenierung von Mozarts Zauberflöte. Eine filmische Aufzeichnung der Aufführung gibt es unter: FOYER.de, dem digitalen Kulturportal von CRESCENDO, zu sehen.

Karel Appel, der Schrei nach Freiheit
Karel Appel: Der Schrei der Freiheit aus dem Jahre 1948
(Foto: © Karel Appel Foundation)

Karel Appel wurde in Amsterdam geboren, wo er die Reichsakademie der bildenden Künste besuchte. 1948 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der von Asger Jorn und Constant in Paris initiierten experimentellen Künstlergruppe CoBrA. Benannt nach den Städten, Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam, aus denen die Mitglieder stammten, sollte die Giftschlange die Auflehnung suggerieren.

Karel Appel, Fragende Kinder
Karel Appel: Fragende Kinder aus dem Jahr 1949
(Foto: © Karel Appel Foundation)

Was Appel, der zum herausragenden Vertreter der Gruppe wurde, anstrebte, war, das primitive Malerkind in sich zu wecken und Zugang zur ursprünglichen schöpferischen Aktivität zu erlangen. Über eine solche Kindheit der Kunst wollte er eine Erneuerung der Kunst erreichen. Dazu gehörte auch die Vorstellung eines Tier-Werdens, womit das kindlich Animalische und das Kreatürliche die wesentlichen Kräfte seines Kunstschaffens wurden.

Karel Appel, Flatternd im Wind
Karel Appel: Flatternd im Wind aus dem Jahre 1975
(Foto: © Karel Appel Foundation)

Appels Malerei durchlief im Laufe seines Lebens eine zyklische Wandlung. Das figürliche der CoBrA-Phase, das in den 1970er-Jahren einer rohen Expressivität wich, kehrte in den 1980er-Jahren auf düstere Weise zurück. Und die grelle Farbigkeit tauchte in einer Spätphase Ende der 1980er-Jahre wieder auf.

Karel Appel, Das letzte Adieu
Karel Appel: Das letzte Adieu aus dem Jahr 1981
(Foto: © Karel Appel Foundation) 

Karel Appel arbeitete als selbsternannter „Staatenloser“ in Ateliers in New York, Connecticut, Paris, Monaco und der Toskana. Wie er in einem Gespräch erklärte, arbeite er immer. Als 1964 zur documenta III in Kassel sein Bild nicht rechtzeitig eintraf, malte er die Nacht über kurzerhand ein neues. Bei seinem Tod 2006 in Zürich hinterließ er ein gewaltiges Werk von rund 10.000 Malereien, Plastiken, Skulpturen und Grafiken.

Das Cobra Museum für moderne Kunst in Amsterdam zeigt Werke von Karel Appel aus seiner Sammlung und bietet ein Festprogramm zum 100. Geburtstag am 25. April 2021. Weitere Informationen dazu unter: cobra-museum.nl 

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Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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