Katharina Thalbach leiht der mythenumrankte Rächerin Medea in Georg Anton Bendas Melodram ihre Stimme für ein eindringliches Psychogramm.

Zwar haben Medeas Zauberkräfte dem geliebten Jason einst das goldene Vlies erstritten, doch wurde ihm seine willensstarke Braut bald zu unbequem. Kurzerhand ersetzte er sie durch eine andere. Die Musik des Mozart-Zeitgenossen Georg Anton Benda und Friedrich Wilhelm Gotters Libretto leuchten die widerstreitenden Emotionen der Verstoßenen farbenreich aus: In dynamischem Wechselspiel mit dem Orchester fleht Medea mal zärtlich um Liebe, schäumt vor Eifersucht und triumphiert verzweifelt über den treulosen Jason, indem sie die gemeinsamen Kinder ermordet. Nicht nur der tragischen Antiheldin, sondern auch den Nebenrollen leiht Katharina Thalbach ihre prägnante Stimme. An manchen Stellen sind die unterschiedlichen Charaktere für das ungeübte Ohr nicht leicht auseinander zu halten. Doch sind die Kontraste zwischen kindlicher Verzagtheit und blinder Raserei ein echter Hörgenuss. Thalbachs unverwechselbarer Stimmklang ergibt mit dem Orchesterklang, der bei aller Dramatik mit schwebend klassischer Eleganz daherkommt, ein eindringliches Psychogramm.

Georg Anton Benda: „Medea. Ein mit Musik vermischtes Melodram“, Katharina Thalbach, cappella aquileia, Marcus Bosch (Coviello Classics)

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