Fri­sche Hör­ein­drü­cke von Ivo Pogo­re­lich konn­te man sich lan­ge Zeit nur im Kon­zert­saal ver­schaf­fen. Nach mehr als 20 Jah­ren Pau­se ist nun wie­der eine CD des Pia­nis­ten mit Sona­ten von Beet­ho­ven und Rach­ma­ni­now her­aus­ge­kom­men. Der kroa­ti­sche Vir­tuo­se gilt als einer der eigen­wil­ligs­ten Musi­ker und wird die­sem Ruf auch auf sei­nem neu­en Stu­dio­al­bum gerecht. Pogo­re­lich nähert sich den Wer­ken mit unver­kenn­ba­rer Kom­pro­miss­lo­sig­keit. Sein Spiel klingt stel­len­wei­se rau und kan­tig. Mit teils exzes­si­ven Ruba­ti setzt er Akzen­te, die manie­riert wir­ken kön­nen. Auf­fäl­lig lang­sam, mit Effekt suchen­den Ver­zö­ge­run­gen beginnt er bei­spiels­wei­se das Alle­gro viva­ce in Beet­ho­vens Sona­te Nr. 24 op. 78, die der unga­ri­schen Grä­fin The­re­se von Bruns­vik gewid­met ist. Authen­tisch wirkt Pogo­re­lich vor allem dann, wenn er per­kus­si­ve Pas­sa­gen angeht und einen kraft­vol­len, aus­la­den­den Klang zele­briert. Inso­fern kann man Ser­gei Rach­ma­ni­nows höchst anspruchs­vol­le Zwei­te Kla­vier­so­na­te in der über­ar­bei­te­ten Fas­sung von 1931 als Pogo­re­lichs eigent­li­ches Para­de­stück auf die­sem Album betrach­ten.  

Lud­wig van Beet­ho­ven, Ser­gej Rach­ma­nin­off: „Pia­no Sona­tas”, Ivo Pogo­re­lich (Sony)

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Corina Kolbe
In Berlins Konzertsälen und Opernhäusern ist die freie Musikjournalistin Corina Kolbe seit Jahren zu Hause. Von der Hauptstadt aus steuert die studierte Romanistin oft Richtung Süden, um über Aufführungen in historischen Theatern ihrer zweiten Heimat Italien oder Klassikfestivals in den Schweizer Alpen zu berichten. Ausführliche Interviews mit Künstlern vor und hinter der Bühne runden ihr Portfolio ab.

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