Foto. Bob Coat
Der gebürtige Rumäne Ioan Holender (75) war von 1992 bis 2010 intendant der Wiener Staatsoper.

Ende des 19. Jahr­hun­derts bis in die 1920er-Jah­re wur­den die Namen der Regis­seu­re meis­tens gar nicht genannt. Enri­co Caru­so schick­te bei sei­nem Debüt an der Wie­ner Staats­oper im Jah­re 1906 sei­nen Sekre­tär zur Büh­nen­pro­be, der ihm nach­her über das sze­ni­sche Gesche­hen berich­te­te. Noch Her­bert von Kara­jan prob­te bis zur Fer­tig­stel­lung des sze­ni­schen Arran­ge­ments und der Beleuch­tungs­pro­ben mit Sta­tis­ten, wäh­rend das Orches­ter per Ton­band ein­ge­spielt wur­de. Erst bei Kon­stan­tin Sta­nis­law­ski, Wla­di­mir Nemi­ro­witsch-Dant­schen­ko und spä­ter bei Fran­co Zef­firel­li, Gior­gio Streh­ler, Jean-Pierre Pon­nel­le, Gün­ther Ren­nert, Wie­land Wag­ner u.a. wur­de das Regie­kon­zept inten­siv und aus­gie­big mit den sin­gen­den Inter­pre­ten erar­bei­tet.

Heu­te soll­te der Regis­seur – neben dem Diri­gen­ten und den Sän­gern – ein gleich­wer­ti­ger Bestand­teil einer Opern­pro­duk­ti­on sein. Manch­mal ist die­ser jedoch der pri­mus inter pares, was sich ungut aus­wirkt. Das Übel der thea­ter­frem­den Kopro­duk­tio­nen macht sich immer brei­ter. Man erar­bei­tet eine Insze­nie­rung mit dem Regis­seur, und nach­her geht das Büh­nen­bild samt den Kos­tü­men auf Rei­sen in ande­re Thea­ter. In die­sen – es sind meis­tens meh­re­re Orte – wird das sze­ni­sche Gesche­hen mit ganz ande­ren Sän­gern und Diri­gen­ten von einem Regie­as­sis­ten­ten, sel­ten auch vom ursprüng­li­chen Regis­seur ein­stu­diert, indem die Inter­pre­ten gezwun­gen wer­den, mög­lichst genau so zu agie­ren, wie jene der ers­ten Ein­stu­die­rung. Die Ende März im Sul­ta­nat Oman ent­ste­hen­de Insze­nie­rung von Léo Deli­bes‘ Lak­mé etwa geht anschlie­ßend in Kopro­duk­ti­on an die Los Ange­les Ope­ra, das Tea­tro dell’Opera di Roma, die Fon­da­zio­ne Are­na di Vero­na, das Tea­tro Car­lo Feli­ce di Geno­va, das Cai­ro Ope­ra House, die Asta­na Ope­ra in Kasach­stan, das Natio­nal Cent­re for Per­forming Arts of Bei­jing und die Ope­ra Aus­tra­lia und zwar in jeweils ande­ren Beset­zun­gen.

Regie ist ein krea­ti­ver Akt sein. Sie hängt von denen ab, die sin­gen und agie­ren, und deren jewei­li­ger Per­sön­lich­keit. Die zwei­te, drit­te und wei­te­re Wie­der­ho­lung des ori­gi­na­len Regie­kon­zepts zwingt dazu, das zu tun, was jene der Ko-Insze­nie­rung taten. War der ers­te Otel­lo klein und dick, muss jener der nach­fol­gen­den Kopro­duk­ti­on tun­lichst so agie­ren wie er, auch wenn er groß und schlank ist. Das ursprüng­li­che Regie­kon­zept wird wei­ter­ver­kauft, das Büh­nen­bild eben­so, und die Gestal­ter der ers­ten Insze­nie­rung erhal­ten Tan­tie­men – ob sie wei­ter dabei sind oder nicht. Natür­lich erspa­ren sich die mit­ma­chen­den Abneh­mer durch sol­che Kopro­duk­tio­nen das Geld für die Her­stel­lung der Büh­nen­bil­der. Künst­le­risch gese­hen, beschränkt sich jedoch die gan­ze Ope­ra­ti­on auf rei­sen­de Deko­ra­tio­nen.

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kul­TOUR mit Holen­der“ – die neu­en Ter­mi­ne bei Ser­vusTV Deutsch­land:

14. und 17.3. „Stutt­gart – Inno­va­ti­on hat Tra­di­ti­on“ | 24.3. „Alex­an­der Perei­ras Wir­ken an der Mai­län­der Sca­la“ | 31.3. „Sot­schi – Die rus­si­sche Rivie­ra“ | 7.4. „Inns­bru­cker Fest­wo­chen der Alten Musik“ | 14.4. „Die Schmie­de der Mai­län­der Sca­la“ | 28.4. „Prag – Gol­de­ne Musik­stadt“ | 5.5. „Brüs­sel und Liège – Kul­tur in der Mit­te Euro­pas“ | 12.5. Chris­ti­an Ger­ha­her – Auf den Flü­geln des Gesangs“ | 19.5. „Vene­dig – Opern­stadt und Kunst­stät­te“ | 26.5. „Böh­mens Well­ness für Köni­ge und Künst­ler“

Die wei­te­ren Don­ners­tag-Sen­de­ter­mi­ne stan­den bei Redak­ti­ons­schluss noch nicht fest.

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