Kei­ne Hör­spiel-Kurz­fas­sung, son­dern eher eine neue, frei­er asso­zi­ie­ren­de Ver­bin­dung von Beet­ho­vens Schau­spiel­mu­sik mit Goe­thes Frei­heits­dra­ma Egmont ist hier zu erle­ben – und trotz Stu­dio­be­din­gun­gen stellt sich so etwas wie Thea­ter­at­mo­sphä­re ein. Dirk Kaf­tan ver­schießt mit dem his­to­risch infor­miert spie­len­den Beet­ho­ven Orches­ter Bonn nicht alles Pul­ver schon in der Ouver­tü­re, son­dern spannt einen Bogen: in nie ver­schlepp­ten Tem­pi, mit guter Klang­ba­lan­ce und leben­di­gen, dyna­misch dif­fe­ren­zier­ten Details. Olga Bezsmert­na ver­leiht dem Klär­chen kämp­fe­ri­schen Mut, und Mat­thi­as Brandt lässt das Hel­den­pa­thos hin­ter sich, das anno dazu­mal ein Klaus­jür­gen Wus­sow (unter Szell) don­nern ließ: Er bewegt statt­des­sen als intel­lek­tu­el­ler und zugleich mensch­lich nah­ba­rer Egmont – wobei die klu­ge Text­aus­wahl über des­sen Par­tie hin­aus­geht: „Ein Volk wird nicht alt, nicht klug, ein Volk bleibt immer kin­disch.“

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Walter Weidringer
Walter Weidringer lebt und arbeitet als Musikwissenschaftler, Journalist und Kritiker in Wien. Seit seiner Mittelschulzeit schreibt und spricht er über Musik und ihre Interpretation: in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Programmheften, bei Vorträgen und im Radio. Fit hält er sich damit, beim Eintragen in die Datenbank seiner CD-Sammlung nie mehr als drei Laufmeter im Rückstand zu sein.

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