Istrien: Ein kleines Weinparadies mit viel Genusspotenzial wacht auf.

Die kroatische Halbinsel Istrien, umgeben von azurblauem Meer, ist eine Naturschönheit mit faszinierenden Landschaften: Neben malerischen Küstenregionen lieben Touristen die mittelalterlichen Bergdörfer des Mirna-Tals, zum Beispiel Groznjan oder die Trüffelhochburg Motovun. Wer hier hausgemachte Pasta mit frischen Steinpilzen, weißen oder schwarzen Trüffeln probiert hat, ist ihnen leider verfallen. Überhaupt ist Istriens Küche – neben köstlichen Trüffelknollen – dank zahlreicher fangfrischer Fische, Muscheln und Krustentiere eine ideale Partnerin zu den Weinen, die hier gedeihen und hergestellt werden.

Natürlich sind die vielen Stunden Sonnenscheins auf der kroatischen Halbinsel beste Voraussetzungen für ein ideales Weinanbaugebiet. Vom günstigen Klima aber mal ganz abgesehen, profitieren die Reben von dem charakteristischen Terroir. In den Küstenregionen reifen sie auf roter, eisenhaltiger Erde heran, in Zentralistrien mehr auf weißen Kalkböden.
Die Weinbaugeschichte kann zwar bis in die Antike zurückverfolgt werden, die wirtschaftlichen Folgen des letzten Balkankonfliktes hatten allerdings einen desaströsen Einfluss auf die Weinwirtschaft. Was erklärt, dass es hier so gut wie keine alten Reben oder gereifte Weine gibt. Es war schlicht die finanzielle Misere, die das nicht zuließ. Wein wurde in dieser Zeit mehr oder weniger für den jährlichen Eigenverbrauch gekeltert.

„Es gibt hier so gut wie keine alten Reben oder gereifte Weine“

Die junge Generation von damals hat nach 1995 meistens bei Null, mit viel Glück mit ein paar Reben der Eltern angefangen. Erst mit der Annäherung an die EU und dem späteren Beitritt öffneten sich der Markt und die Möglichkeiten, in die Weinwirtschaft zu investieren. Viele Winzer nutzten die Chance: Sie optimierten ihre Betriebe und richteten ihren Fokus ganz klar auf Qualität. Was nun natürlich einerseits die Markt- und Exportchancen des Landes verbesserte, andererseits aber auch Weinfreunden aus aller Welt den Zugang zu neuen, faszinierenden Weinen er-freulich erleichterte.

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Tatsächlich habe ich selbst die Halbinsel erst jetzt, im Herbst, zum ersten Mal besucht, dabei aber recht schnell erkannt, dass der Weinmarkt Istriens für mich der derzeit spannendste Newcomer ist. Auf den etwas mehr als 6.000 Hektar Rebfläche werden so viele gute, teils erstklassige Weine zu so fairen Preisen produziert, dass sie sich auf internationalen Märkten ohne Probleme mit der Konkurrenz messen könnten.

„Malvasija Istarska ist die weiße Perle Istriens“

Wer schon fast alles probiert hat, aber immer noch auf der Suche nach neuen und spannenden Überraschungen ist – hier sprudeln sie sehr vielverprechend. Und wer ein Faible für Orange Wine hat, findet in Istrien schon lange hochwertige und unglaublich ausdrucksstarke Weine. Besonders schön: Die internationale Rebsortenvielfalt wird mit heimischen Spezialitäten wie Malvazija Istarska, Muskat Momjan und der roten Teran bereichert. Malvasija Istarska ist die weiße Perle Istriens. Sie und die seltenere Partnerin, Muskat Momjan, werden trocken ausgebaut sehr geschätzt, sind aber restsüß gleichermaßen beliebt.

Zur heimlichen Liebe der Winzer mutiert allerdings mehr und mehr die rote Teran, im nachbarlichen Friaul als Refošk bekannt. Dennoch aber bleibt sie immer noch der unterschätzte rote Star im Lande. Im Umgang mit ihr wird jedoch die Leidenschaft der Winzer besonders deutlich, schließlich haftet auch ihr ein schlechter Ruf aus den ­Zeiten der sozialistischen Planvorgaben und gnadenlosen Massenproduktion an. Kompromisslos hinsichtlich der Qualitätsorientierung und mit viel Individualität keltern einige Winzer bemerkenswerte Rotweincharaktere, die neue Akzente setzen.

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