Krystian Zimerman hat mit dem London Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle Beethovens Klavierkonzerte eingespielt.

Nach 31 Jahren spielte Krystian Zimerman wieder die Beethoven’schen Klavierkonzerte ein. „Früher hatte ich immer das Gefühl, Beethoven sei ein alter Mann. Heute aber bin ich sieben Jahre älter, als er jemals war… und [sehe] ihn als einen jüngeren Kollegen.“ Zimermans Worte versprechen eine frische Interpretation – weg vom ernsten Beethoven, hin zu einem freieren, mutigeren, auch schnelleren. Auf dem Papier trifft das zumindest für den ersten Satz des nominell Ersten Konzertes zu, bei dem Zimerman mit dem London Symphony Orchestra unter Simon Rattle gegenüber seiner Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern fünf Minuten abzwickt. Fünf Minuten „schneller“ allerdings ist er nicht; die Tempi sind nur marginal erhöht; die Zeitdiskrepanz erklärt sich aus der frühen, kurzen Beethoven’schen Kadenz, die Zimerman passend wählt, anstatt der meist gespielten, späteren schwergewichtigen Bravadokadenz. 

Absolute Musik

Ansonsten ist Zimermans Zyklus überraschend frei von Überraschungen. Anlehnungen an die historische Aufführungspraxis sind, trotz je nach Konzert angepasster Mechanik in seinem Flügel, nur zu erahnen: in dem glöckchengleichen Anschlag und zum Teil glasig-transparent Klang in den beiden frühen Konzerten zum Beispiel. Das Andante con moto des Vierten Konzerts ist auch hier baritonal-sonor von traditionell getragenem Schönklang geprägt – nur eben nicht „con moto“. Nicht die Furien des Hades fechten hier mit Orpheus: Der vermeintlich von dieser Sage inspirierte langsame Satz wird zur absoluten Musik. Simon Rattle, in seinem dritten solchen Zyklus – nach Brendel und Uchida – begleitet routiniert und frisch; gerade die Holzbläser klingen lebhaft und gegen die zum Teil grellen Geigen schön hörbar ausbalanciert. 

Ludwig van Beethoven: „Complete Piano Concertos”, Krystian Zimerman, London Symphony Orchestra, Simon Rattle (DG)

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