Als fins­te­re Zeit mit Pest, Aber­glau­ben, Hexen­ver­bren­nun­gen und Kreuz­zü­gen ging das Mit­tel­al­ter in die Geschich­te ein. Aber neben die­ser Per­spek­ti­ve auf eine trau­ri­ge Zwi­schen­zeit, die das grie­chisch-römi­sche Alter­tum von der Neu­zeit trennt , gibt es noch eine ande­re, die mehr und mehr an die Ober­flä­che tritt und die den Blick auf eine Zeit öff­net, in der unter dem Ein­fluss der ara­bi­schen Phi­lo­so­phie und Mathe­ma­tik ein Auf­schwung der Wis­sen­schaf­ten ein­setz­te. Die­ses leben­di­ge Mit­tel­al­ter mit sei­nen Trou­ba­dou­ren und Spiel­leu­ten inspi­riert zahl­rei­che Künst­ler und Musi­ker. Joyo­sa etwa ent­führt in die Klang­welt Anda­lu­si­ens, wo Juden, Chris­ten und Mus­li­me über Jah­re hin­weg einen ein­zig­ar­ti­gen kul­tu­rel­len Aus­tausch pfleg­ten. Das Ensem­ble ist Teil des Rah­men­pro­gramms des Kal­ten­ber­ger Rit­ter­tur­niers, in dem Musi­ker wie die mit Dudel­sä­cken und Schal­mei­en rocken­de Band Cor­vus Corax, die Markt­mu­si­kan­ten Bene Vobis, der Bar­de Barl­how und die Schwy­zer­dütsch sin­gen­de Grup­pe Koe­nix sowie Artis­ten wie die Grup­pe Hyp­no­ti­ca mit ihrer Feu­er­show, die Flug­träu­mer mit ihren poe­sie­vol­len Jon­gla­gen, der Gauk­ler Tami­no und ande­re Künst­ler eine pit­to­res­ke Mit­tel­al­ter­welt ent­ste­hen las­sen.

Kampf der Brü­der“ ist die cho­reo­gra­fier­te Rit­ter­tur­nier­show in der Schlossare­na im Jubi­lä­ums­jahr über­schrie­ben. Dra­ma­turg Tho­mas Lim­pinsel und Regis­seur Alex­an­der May haben eine Hand­lung ent­wor­fen, in der eben­so Tap­fer­keit wie Frau­en­dienst als rit­ter­li­che Zier­de gezeigt wer­den. Durch Frau­en­dienst erringt der Rit­ter Min­ne. Er hat alle Wün­sche der Dame sei­nes Her­zens zu erfül­len und ihr zu Ehren in Tur­nie­ren zu kämp­fen. Zen­tra­le Figur der Show ist der Schwar­ze Rit­ter, den Frédé­ric Laforêt ver­kör­pert. Der Pfer­de­spe­zia­list Mario Lura­schi kommt mit sei­ner Trup­pe Caval­ca­de aus Frank­reich. Der Name setzt sich zusam­men aus „cava­lier“ (Rei­ter) und „casa­ca­de“ (Stunt). Lura­schi, der von Kind­heit an eine Lei­den­schaft für Pfer­de hat und mit sei­ner Pfer­de­a­kro­ba­tik an zahl­rei­chen Fil­men mit­wirk­te, ist Regis­seur der Stunt-Sze­nen, die die Akro­ba­ten hoch zu Ross vor­füh­ren. Mit­tel­al­ter­lich insze­nier­te Schwert­kämp­fe zeigt die Trup­pe Mer­let.

Prinz Luit­pold von Bay­ern rief die Rit­ter­spie­le ins Leben. Wäh­rend eines Auf­ent­halts in Lon­don wohn­te er der Insze­nie­rung eines his­to­ri­schen Kampfs im Burg­gra­ben des Tower of Lon­don bei. Sie begeis­ter­te ihn so sehr, dass er den Stunt­man Max Dia­mond beauf­trag­te, zur 800-Jahr-Fei­er der Wit­tels­ba­cher-Dynas­tie 1979 ein Reit­tour­nier auf­zu­füh­ren. Am 15. Juni 1980 wur­de mit 16 Mit­wir­ken­den das ers­te Kal­ten­bur­ger Rit­ter­tur­nier gezeigt. Seit­dem wur­de die Schau Jahr für Jahr erwei­tert. Der Schau­platz wur­de ver­grö­ßert, Tri­bü­nen errich­tet und über­dacht und ein umfang­rei­ches Begleit­pro­gramm, ein­schließ­lich eines Mark­tes mit Werk­stät­ten mit­tel­al­ter­li­cher Hand­wer­ke ent­wi­ckelt.

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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