Lena Neudauer und die Cappella Aquileia unter Marcus Bosch wenden sich Beethovens Violinkonzert und den Violinromanzen zu.

Beethovens Violinkonzert: Das konnte in der romantischen Spieltradition ein in epische Breite zerfließendes, monumentales Tongemälde bedeuten. Lena Neudauer, Marcus Bosch und die Cappella Aquileia rücken dagegen allem Plüsch zu Leibe, auf den Beethovens lyrische Melodien oft gebettet werden oder in dem sie zu versinken drohen. Das Kantable bekommt hier inmitten des Dramatischen, ja sogar aufregend Nervösen einen neuen (alten?) Ort zugewiesen. Dabei hilft auch, dass Neudauer im Wesentlichen die von Wolfgang Schneiderhan auf die Violine umgelegten Kadenzen von Beethovens originaler Klavierfassung spielt, bei denen im Stirnsatz die Pauke mitmischt.

Das dabei verwirklichte dialogische Prinzip beherrscht die gesamte Lesart mit ihrem sachlichen, manchmal bewusst trockenen Zugriff: Die durchaus vorhandene Süße des Tons wird nie klebrig, das historisch informierte Spiel ist spannungsreich und voller Attacke. Die Violine drängt sich dort, wo sie das melodische Geschehen mit Girlanden schmückt, nie primadonnenhaft in den Vordergrund.

Ludwig van Beethoven: „Violin Concerto, Violin Romances”, Lena Neudauer, Cappella Aquileia, Marcus Bosch (cpo)

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Walter Weidringer lebt und arbeitet als Musikwissenschaftler, Journalist und Kritiker in Wien. Seit seiner Mittelschulzeit schreibt und spricht er über Musik und ihre Interpretation: in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Programmheften, bei Vorträgen und im Radio. Fit hält er sich damit, beim Eintragen in die Datenbank seiner CD-Sammlung nie mehr als drei Laufmeter im Rückstand zu sein.

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