Während Anton Bruckner an der Neunten Sinfonie arbeitete, hatte er seinen Tod vor Augen. Er widmete dieses Werk „dem lieben Gott“, in der Hoffnung, dass ihm noch genug Zeit zum Komponieren bliebe. Als er im Oktober 1876 starb, waren erst drei Sätze vollendet. Der als Torso überlieferte Schlusssatz hat viele Forscher zu Rekonstruktionsversuchen angeregt. Der gängigen Praxis entsprechend, verzichten Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker allerdings auf eine Aufführung von Finalsatzfragmenten und lassen die Sinfonie mit dem „Adagio“ enden. Im Eigenlabel ist ein hörenswerter Mitschnitt aus der Stiftsbasilika St. Florian erschienen, an der Bruckner als Domorganist wirkte. Mit seinem Orchester arbeitet Gergiev Steigerungen und Klangblöcke im gewaltigen Kopfsatz plastisch hervor, während das kantable Seitenthema lyrische Strahlkraft entfaltet. Das aufwühlende Scherzo mit seinen Dissonanzen offenbart sich als dämonisch, bevor das elegische Adagio, Bruckners „Abschied vom Leben“, auf eine Auflösung im Unhörbaren zustrebt.

Anton Bruckner: „Symphony No. 9“, Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev (Münchner Philharmoniker)

www.amazon.de

ANZEIGE

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here