Ein Kolo­ra­tu­ren aus­sto­ßen­der Vul­kan beschenkt uns mit einer sehr per­sön­li­chen, inti­men Hom­mage an Hän­del. Von Simo­ne Ker­mes kom­men ganz wun­der­bar wei­che Töne und mit einer sphä­ri­schen Wie­der­ga­be des Lar­go erobert die Sopra­nis­tin das inzwi­schen fast gänz­lich von hohen Män­ner­stim­men okku­pier­te Stück den Sän­ge­rin­nen zurück. In einer der Neun deut­schen Ari­en, Sze­nen aus Ora­to­ri­en, Opern und dem in vie­len ihrer Kon­zer­te als Schluss­punkt gesetz­ten, betö­ren­den Lascia ch’io pian­ga aus Rinal­do schrei­tet Simo­ne Ker­mes ihre von Hän­del wie ein brei­tes rotes Band von den Anfän­gen bis zu den Kon­zept­pro­gram­men durch­zo­ge­ne künst­le­ri­sche Ent­wick­lung nach. Die von ihr 2017 gegrün­de­ten Amici Vene­zia­ni gelei­ten sie mit edler Deli­ka­tes­se. Dabei gelin­gen die Lei­den der Lan­go­bar­den-Köni­gin Rode­lin­da und der Tren­nungs­schmerz der Magie­rin Alci­na weit­aus bewe­gen­der als das voka­le Dyna­mit Mede­as aus Teseo.

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Roland H. Dippel brennt für Kontraste im groß(artig)en wie im klein(formatig)en Musik-, Tanz- und Konzert-Theater. Auf Entdeckungsreisen zu idyllischen Nischen und verwegenen Momenten folgt er freudig apollinischen Verheißungen und dionysischen Lockrufen. Boulevard, Belcanto, Brauchtum, ästhetische Exzesse in Literatur und Kunst sind Ziele seiner realen und fiktiven Abenteuer-Streifzüge. Er schätzt greifbare Bücher mehr als E-Books.

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