Daniel Hope im Gespräch mit Silke Zimmermann, der künstlerischen Leiterin des Kulturprogramms im Hotel Schloss Elmau.

Daniel Hope: Silke, seit Jahren hältst du auf Schloss Elmau in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen das Musikprogramm lebendig. Dabei hast du vor allem auch verschiedene Genres auf einmalige Weise zusammengebracht: Klassik, Jazz und Weltmusik. Was ist dabei das Besondere für dich?

Sil­ke Zim­mer­mann: Dass es kei­ne Gren­ze gibt. Die Gren­ze ist eigent­lich nur die Grö­ße der Büh­ne. Sonst herrscht ein Geist von völ­li­ger Offen­heit. Ich habe die Frei­heit, ein­fach gute Musi­ker ein­zu­la­den – egal aus wel­chem Gen­re!

Hast du dich mit solchen Genre-Kombinationen auch schon beschäftigt, bevor du nach Elmau kamst, oder war das neu?

So viel Frei­heit, wie hier herrscht, trau­en sich weni­ge Ver­an­stal­ter. Vie­le schau­en auf die Ver­markt­bar­keit des Reper­toires und limi­tie­ren sich damit selbst. Ich habe gemerkt, dass man sein Publi­kum sehr wohl for­dern darf. Die Gäs­te sind meist viel intel­li­gen­ter, als wir den­ken. Des­halb sage ich: Man muss etwas wagen, Din­ge mischen! Vie­les gehört tra­di­tio­nell ja auch zusam­men und war frü­her gar nicht so scharf getrennt.

Am Anfang gab es – etwa bei Konzertabenden mit Maria João und anderen – aber doch kleine Skandale oder zumindest starke Reaktionen von Zuschauern, die seit Jahrzehnten hierherkommen und die das nicht ertragen wollten.

Damit muss ich mich schon manch­mal kon­fron­tie­ren. Aber gera­de dadurch gibt es manch­mal die unglaub­lichs­ten Erleb­nis­se: Gera­de weil die Besu­cher hier ja Hotel­gäs­te – und eben nicht alle Musik­gäs­te – sind. Es gibt Gäs­te, die gera­ten sozu­sa­gen zufäl­lig in ein Kon­zert, haben hin­ter­her Trä­nen in den Augen, klop­fen ihrer Frau auf die Schul­ter und sagen: „Wir müs­sen wie­der viel mehr Musik hören, das ist ja der Wahn­sinn!“ Die­se Men­schen kom­men also unfrei­wil­lig mit etwas in Berüh­rung, mit dem ich sie kon­fron­tie­re, und fin­den es ganz toll.
Aller­dings war das anfangs hier schon ein fast rein klas­sisch gepräg­tes Haus. Sicher war da immer wie­der jemand belei­digt, aber das hat sich in zwi­schen ganz gut halbe/halbe aus­ba­lan­ciert: Die einen kom­men für das eine, die ande­ren für das ande­re …

Was ist dein persönliches Highlight der letzten Jahre?

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Das klingt jetzt ein biss­chen nach einer Phra­se: Aber das Tolls­te sind tat­säch­lich die Begeg­nun­gen. Wenn man hier zum Bei­spiel ein renom­mier­tes Streich­quar­tett zu Gast hat, und in der zwei­ten Rei­he sitzt ein bri­ti­scher Star­au­tor, der zufäl­lig – oder bes­ser natür­lich nicht zufäl­lig – sei­ne Feri­en hier ver­bringt, und dann zu erle­ben, dass die­se Men­schen sich begeg­nen, obwohl gera­de wir Deut­schen sie ja immer sehr ger­ne „ein­kas­teln“, also Men­schen in bestimm­te Schub­la­den ste­cken. Oder im nächs­ten Jahr einen gro­ßen eng­li­schen Sän­ger hier zu begrü­ßen, der zufäl­lig in das Kon­zert eines der größ­ten Jazz­pia­nis­ten geht, wor­auf­hin der Jazz­pia­nist sagt: „Hey, es wäre eigent­lich toll, eine Kan­ta­te für dich zu schrei­ben! Dei­ne Stim­me ist ein Traum!“ Das erlebt man nicht so oft, aber hier ist es mög­lich. Auch weil es hier so intim zugeht.

Nun geht ein Kapitel zu Ende. Du wirst Elmau verlassen. Was sind deine Pläne?

Mei­ne Plä­ne sind zunächst ein­mal pri­va­ter Natur: Ich muss mich um mei­ne Eltern küm­mern, die lei­der nicht mehr so jung sind wie wir. Und anschlie­ßend heißt es – wie man im Eng­li­schen so schön sagt –, the sky is the limit, also: Nach oben ist alles offen! Tat­säch­lich ist es sehr schwer, nach Elmau etwas Neu­es zu machen, weil man hier schon so vie­le wun­der­ba­re Din­ge getan hat. Aber ich bin sicher, dass uns die Musik­bran­che wie­der ver­bin­den wird. Das ist das Schö­ne an der Musik, sie ist global!n

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