Leidenschaftliches Plädoyer

Marc-André Hamelin

Marc-André Hame­lin wid­met sich den Kla­vier­so­na­ten des jüdisch-rus­si­schen Kom­po­nis­ten Samuil Fein­berg.

In sei­ner Musik liegt immer das ange­streng­te Bestre­ben, das makro­kos­mi­sche Heu­len des Nacht­win­des, der bald kla­gend, bald stür­misch braust, zu ent­rät­seln.“ Das schrieb der Kom­po­nist Ana­to­li Alex­an­d­row über sei­nen lang­jäh­ri­gen Freund Samuil Fein­berg. Fein­berg (1890–1962) war ein bedeu­ten­der Pia­nist und Kla­vier­päd­ago­ge der rus­sisch-jüdi­schen Schu­le und zeit­le­bens vor allem als Inter­pret aner­kannt (er spiel­te u.a. die ers­te rus­si­sche Gesamt­auf­füh­rung des Wohl­tem­pe­rier­ten Kla­viers).

Marc-André Hamelin widmet sich hochvirtuos und leidenschaftlich den Klaviersonaten des jüdisch-russischen Komponisten Samuil Feinberg.
Wid­met sich hoch­vir­tu­os und lei­den­schaft­lich den Sona­ten Samuil Fein­bergs: Marc-André Hame­lin
(Foto: © Con­ne­ty-Clar­ke)

Fantasievoll und expressiv

Sei­nem kom­po­si­to­ri­schen Schaf­fen wid­met sich Aus­nahmepia­nist Marc-André Hame­lin mit einer Ein­spie­lung der ers­ten sechs der ins­ge­samt 12 Feinberg’schen Kla­vier­so­na­ten. Und tat­säch­lich geht es in die­ser Musik stür­misch zu, hier scheint der infla­tio­när ver­wen­de­te Begriff „erns­te Musik“ wirk­lich ein­mal zu pas­sen. Den­noch sind die Stü­cke fan­ta­sie­voll und hoch­ex­pres­siv. Der Musik­kri­ti­ker Carl Engel schrieb 1924, Fein­berg sei „viel­leicht ein Genie“. Hame­lins hoch­vir­tuo­se und fein durch­dach­te Auf­nah­me ist ein lei­den­schaft­li­ches Plä­doy­er dafür.

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Sina Kleinedler
Direkt nach ihrem Abi wirbelte Sina Kleinedler bereits als Praktikantin durch die crescendo-Redaktion. Ein Musikjournalismus- und Cellostudium in Dortmund und Hannover schlossen an. Heute gibt sie unter anderem regelmäßig Konzerteinführungen in der Philharmonie Köln. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“ (Augustinus Aurelius), lautet ihre Devise.

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