Glutvoll

Minguet Quartett

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Es gibt Gerüchte, die sind einfach nicht aus der Welt zu schaffen, auch wenn sie alles andere als zutreffend sind. Im Falle des österreichischen Erzromantikers Robert Fuchs war es ein Bonmot seines Komponistenkollegen Josef Hellmesberger, der den letzten Satz von Fuchs’ Fünfter Serenade mit den Worten „Fuchs, die hast du ganz gestohlen“ kommentierte, obwohl das Werk als Hommage an den „Walzerkönig“ gedacht war und alles andere als ein Plagiat ist. Der Nachwelt waren solche Feinheiten egal, der Ruf schien zementiert, zumal Fuchs auch noch gut mit Johannes Brahms befreundet war und gerne als dessen Epigone tituliert wurde. Die Einspielung der ersten vier Streichquartette durch das Minguet Quartett könnte daran vielleicht etwas ändern, denn die vier Musiker plädieren so glutvoll und überzeugend für diesen Komponisten, dass man sich ihrem Spiel einfach nicht zu entziehen vermag. Auf die Fortsetzung darf man getrost gespannt sein.

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Guido Krawinkel
Guido Krawinkel schreibt über alles, was mit Musik zu tun hat. Dem Studium der Musikwissenschaften in Bonn folgten Tätigkeiten in der Tonträgerbranche, beim Radio und im Verlagswesen sowie eine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker. Als freier Journalist arbeitet Guido Krawinkel für Zeitungen, Zeitschriften und Konzerthäuser, schreibt Rezensionen, CD-Booklets und Programmeinführungen und ist Mitglied in der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Der begeisterte Chorsänger hält es mit Loriot: Ein Leben ohne Chor ist möglich, aber sinnlos.

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