Daniel Hope trifft Dr. Felix Klein Mit Musik gegen ­Antisemitismus

Musik ist ein hervorragendes Medium der Diplomatie! Daniel Hope im Gespräch mit Dr. Felix Klein, dem neuen Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung.

Daniel Hope: Felix, nach vielen Jahren im diplomatischen Dienst kommt als Antisemitismus-Beauftragter nun eine sehr große Aufgabe auf dich zu.

Dr. Felix Klein: Ja, ich werde stärker Anwalt sein müssen, auch Mahner, um antisemitische Vorfälle anzuklagen. Aber ich bin auch Beauftragter für jüdisches Leben, das ist der erste Teil meines Postens. In diesem Zusammenhang möchte ich sehr gerne auch die Musik zur Geltung bringen. Ich möchte der Öffentlichkeit in Deutschland noch stärker vor Augen führen, wie viele großartige Komponisten mit jüdischem Hintergrund es gibt. Da gibt es weit mehr als den immer zitierten Felix Mendelssohn Bartholdy, eine Vielzahl von jüdischen Komponisten mit reichhaltigen Werken, in denen tatsächlich auch jüdische Musik aufgegriffen wird. Ich möchte Sympathie für jüdisches Leben in Deutschland erzeugen, gerade mithilfe der Musik!

Wie siehst du die Debatte um die Abschaffung des ECHO nach 26 Jahren?

Ich finde die Entscheidung gut und begrüße sie sehr. Der ganze Vorgang zeigt, dass bestimmte grundlegende Reflexe in unserer Zeit dann doch ganz gut funktionieren, dass man mit öffentlichem Druck etwas verändern kann. Kommerzielle Gesichtspunkte reichen nicht aus. Es gibt Grenzen da, wo es Gefühle gibt! Ich begrüße in dieser Angelegenheit auch sehr die Rolle der Medien, die den notwendigen Druck aufgebaut haben. Ich wünsche der Musikindustrie weiter gute Geschäfte, aber es gibt Grenzen. Diese sind eingefordert und nun auch umgesetzt worden! Das macht mir Hoffnung!

Es gibt Musiker, die sind diplomatisch, vielleicht sogar politisch. Du bist ein Diplomat, der sehr musikalisch ist. Wie geht das zusammen?

Eine wichtige Aufgabe des Diplomaten ist es, Sympathie zu erzeugen – insbesondere im Ausland. Musik ist dabei ein hervorragendes Medium. Über sie kann man die Herzen der Menschen erreichen. Gerade als deutscher Diplomat hat man mit deutscher Musik im Ausland viel zu bieten. Das habe ich auf meinen verschiedenen Auslandsposten mit Musikprojekten immer wieder getan und damit auch Sympathie für Deutschland erwerben können. Musik und Diplomatie ergänzen sich auf wunderbare Weise!

Im April kamen rund 2.000 Menschen in Berlin zusammen, um gegen Antisemitismus zu protestieren. Wie wichtig sind solche Kundgebungen in Deutschland?

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Sie sind wichtig als Symbol, sie reichen aber natürlich nicht! Wir dürfen jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen und uns dann erst nach dem nächsten Vorfall auf einer solchen Kundgebung wiedertreffen. Trotzdem vergrößern sie das allgemeine Bewusstsein der Bevölkerung. Ich habe mich über das große Medieninteresse an der Kundgebung sehr gefreut. Es hätten nach meinem Geschmack aber noch mehr Leute sein dürfen!

Wie politisch kann ein Künstler sein?

Sehr! Insbesondere wenn in der Außenpolitik die knallharten Interessen zwischen Ländern aufeinanderprallen, können Künstler eine ganz wichtige Brückenfunktion einnehmen. Ein Beispiel: Wir haben einige Probleme im Umgang mit Russland. Trotzdem ist es sehr wichtig, dass Künstler aus Russland bei uns auftreten. So sehen die Menschen: Russland ist derzeit vielleicht politisch ein schwieriges Land, aber es hat fantastische Künstler. Ich begrüße auch sehr das politische Engagement von Daniel Barenboim mit seinem West-Eastern Divan Orchestra und seiner Barenboim-Said Akademie. Künstler können sehr wohl politisch sein, und das hat eine lange Tradition. Auch Beethoven war politisch oder Arnold Schönberg mit seinem Werk Ein Überlebender aus Warschau.

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