Die 17. Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater wird zu einem dynamischen Festival in München und andernorts. Im Mai 2020 erscheint das Biennale-Programmbuch, in dem das gesamte Festival konzeptuell vorgestellt wird. Der Vorverkauf ist auf weiteres verschoben.

Die Münchener Biennale, auf der es unter der künstlerischen Leitung von Daniel Ott und Manos Tsangaris (Foto oben: © Manu Theobald) ausschließlich Uraufführungen zu sehen gibt, hat sich angesichts der Corona-Krise ein neues Aufführungskonzept einfallen lassen. Als physisches Festival beginnt sie an unterschiedlichen Orten. Thema und Geist werden im „Salon des Wunderns und der Sichten“ als verbindendes Element über längere Zeit hinweg an verschiedenen Orten umgesetzt und live gestreamt. Das Biennale-Thema „The Point of NEW Return“ wird auf diese Weise reflektiert und weitergeführt.

Zugang zur transzendentalen Realität der Archetypen

Die 17. Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater wird zu einem dynamischen Festival in München und andernorts.  Iani Christous im Entwürfe aus dem Nachlass bilden die Grundlage zu neuen Musiktheaterstücken.

Hinterließ 120 Entwürfe zu Musiktheaterstücken: der 1970 verstorbene Komponist Iani Christou 
(Foto: © Mitsi Christou)

Als Ritual wollte Jani Christou seine Musik verstanden wissen. Sie sollte den Menschen den Zugang zur transzendentalen Realität der Archetypen ermöglichen. In den letzten vier Jahren seines Lebens befasste er sich mit einer Reihe von Musiktheaterstücken, die er „Reenactments“ nannte. Nach seinem frühen Tod 1970 mit 44 Jahren bei einem Autounfall in Athen fanden sich in seinem Archiv etwa 120 unvollendete und drei vollendete Entwürfe dazu. Zwei davon waren 1968 im Druck erschienen. Das eine bezieht sich auf einen Wächter im Palast von Agamemnon. Jahrelang wartet dieser voller Angst auf ein Signal, das die Eroberung Trojas meldet. Im anderen versucht ein Pianist in panischer Angst vergeblich, mit seinem Instrument Kontakt aufzunehmen.

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Musik der Konfrontation

Die 17. Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater wird zu einem dynamischen Festival in München und andernorts.  Olga Neuwirth schreibt auf der Grundlage von Iani Christous Entwürfen eine neue Komposition.

Setzt sich mit Iani Christous Reenactments auseinander: die Komponistin Olga Neuwirth
(Foto: © Harald Kaufmann)

Christou verwirklichte damit sein Ideal einer „Musik der Konfrontation“. Er thematisierte die Panik als Grundbefindlichkeit menschlichen Daseins. Knapp 50 Jahre lang waren die skizzierten Reenactments unzugänglich. Unter dem Titel Once to be Realised werden sie ihm Rahmen der Münchener Biennale Grundlage eines neuen Musiktheaters. Sechs KomponistInnen, darunter Beat Furrer, Olga Neuwirth und Younghi Pagh-Paan, setzen sich kompositorisch mit ihnen auseinander.

Weitere Informationen: www.muenchenerbiennale.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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