In unseren hochspezialisierten Zeiten ist es für einen Tenor geradezu mutig, ein Rezital aus späten Arien Donizettis und teils raren frühen bis mittleren von Verdi zusammenzustellen. Oder sind es nur unsere Hörgewohnheiten, die einen trennenden Taktstrich zwischen den beiden Komponisten ziehen? Der 35-jährige US-Amerikaner Michael Fabiano will diesen jedenfalls ausradieren: mit einer deutlichen Prise Corelli und auch Shicoff, sowohl in der Diktion, als auch im charaktervollen, heldischen Timbre, mit Mut zum Pathos alter Schule sowie der Fähigkeit zum Decrescendo am Phrasenende. Seine Höhe mag nicht immer sofort frei strömen. Die – allerdings enorm schwierige – Forza-Erstfassungsarie singt er transponiert. Aber Fabianos Vortrag hakt sich im Ohr fest. Musikalisch untadelig, philologisch allerdings etwas sorglos (etwa mit kleinen Strichen nach Gutdünken), assistiert Enrique Mazzola am Pult des London Philharmonic Orchestra.

Giuseppe Verdi, Gaetano Donizetti: „Arien aus Opern”, Michael Fabiano, London Voices, London Philharmonic Orchestra, Enrique Mazzola (Pentatone)

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