Beim Label Farao clas­sics ist ein musi­ka­li­scher Advents­ka­len­der der beson­de­ren Art erschie­nen: Zeit­ge­nös­si­sche Kom­po­nis­ten befas­sen sich mit Weih­nach­ten. Ein Gespräch mit dem Bari­ton Diet­rich Hen­schel über die eigen­wil­li­gen Ant­wor­ten auf die Kon­sum­ka­ko­pho­nie der immer län­ger wäh­ren­den Vor­weih­nachts­zeit

CRESCENDO: Herr Hen­schel, in der Vor­weih­nachts­zeit ent­geht man in kei­nem Kauf­haus der besinn­li­chen Beschal­lung. Reagie­ren Sie dar­auf all­er­gisch?
Diet­rich Hen­schel: Vor der zucker­sü­ßen Musik, die in Shop­ping Malls oder auf Weih­nachts­märk­ten gespielt wird, möch­te ich tat­säch­lich oft das Wei­te suchen. Da hat man von Weih­nach­ten schon genug, bevor die Advents­zeit über­haupt begon­nen hat. In der Kan­ti­ne der Deut­schen Oper bekommt man seit Wochen schon Nürn­ber­ger Leb­ku­chen. Ich stam­me aus Nürn­berg, es sind auch sehr gute Leb­ku­chen. Aber die Vor­weih­nachts­zeit beginnt heu­te viel zu früh.

José M. Sánchez-Verdú komponierte White Silence
(Foto: © Julio Jaime)
ANZEIGE



CRESCENDO: Wie­so ist das Gen­re Weih­nachts­lied mit einer Hass­lie­be ver­bun­den wie kaum ein ande­res?
Diet­rich Hen­schel: Als die Lie­der, die wir heu­te als Weih­nachts­lie­der ken­nen, ent­stan­den, waren sie etwas Beson­de­res. Sie soll­ten zu Her­zen gehen und in eine fest­li­che Stim­mung ver­set­zen. Heu­te ist die­se Musik omni­prä­sent, egal, wo auf der Welt man sich befin­det. Ob man in Ame­ri­ka, Kua­la Lum­pur oder in Doha über den Flug­ha­fen geht – man ent­kommt ihr nicht. Das schafft einen Über­druss.

Vanessa Lann komponierte Tree of Life So Green
(Foto: © Gerhard van Roon)

CRESCENDO: Selbst in nicht christ­lich gepräg­ten Län­dern?
Diet­rich Hen­schel: Über­all. Fragt man in Japan Men­schen: Wisst ihr eigent­lich, was ihr da hört?, ent­ge­gen sie, klar, da geht es um Weih­nach­ten, den Tag, an dem man sich Geschen­ke macht. Wenn man eine Auf­rich­tig­keit gegen­über den Tra­di­tio­nen emp­fin­det, kön­nen einen die­se Kom­mer­zia­li­sie­rung und das gan­ze Brim­bo­ri­um drum­her­um schon aggres­siv machen.

Jobst Liebrecht komponierte CHRISTMAS / weihnacht

CRESCENDO: Mit wel­chen Wer­ten ver­bin­den Sie Weih­nach­ten?
Diet­rich Hen­schel: Wenn ich zum Bei­spiel Ich steh an dei­ner Krip­pen hier aus dem Sche­mel­li-Gesang­buch von Johann Sebas­ti­an Bach höre, bewegt mich das in einer unbe­wuss­ten Wei­se so sehr, dass ich an einer Text­stel­le jedes Mal fast wei­nen muss. Das liegt an der Bot­schaft, dem Inhalt die­ses Lie­des, in dem das Bild eines gott­ge­sand­ten Kin­des beschwo­ren wird, das gekom­men ist, um uns zu ret­ten und dem man etwas schen­ken will. Und was man ihm schen­ken kann, ist nichts ande­res als das, was man von Gott emp­fan­gen hat.

Arno Waschk komponierte Frohes Fest

CRESCENDO: Was bringt das in Ihnen zum Klin­gen?
Diet­rich Hen­schel: Es erin­nert mich an eine Situa­ti­on, in der ich als Vier­jäh­ri­ger ver­ges­sen hat­te, mei­ner Mut­ter etwas zum Geburts­tag zu schen­ken, wor­über ich sehr ver­zwei­felt war. Die­se Trau­rig­keit habe ich noch genau in Erin­ne­rung. Ich habe dann eine Tafel Scho­ko­la­de ver­ziert und bemalt, die ich selbst von mei­ner Mut­ter bekom­men hat­te. Ein ganz unschul­di­ger Impuls.

Olga Rayeva komponierte Sotto voce
(Foto: © Echolot)

CRESCENDO: Als Vier­jäh­ri­ger haben Sie schon begon­nen, Block­flö­te zu spie­len. Auch mit Weih­nachts­lie­dern?
Diet­rich Hen­schel: Zuerst kam Der Kuckuck und der Esel, dann Alle Vög­lein sind schon da und schließ­lich Am Grun­de der Mol­dau. Wir hat­ten eine Schall­plat­te zu Hau­se, „Clas­sics made for Dan­cing“, dar­auf befand sich auch die­ses Lied, in einer Flö­ten­ver­si­on. Mei­ne musi­ka­li­sche Weih­nachts­so­zia­li­sa­ti­on begann mit den Krip­pen­spie­len, an denen ich teil­ge­nom­men habe. Im Alter von acht Jah­ren habe ich selbst Musi­ken für ein Krip­pen­spiel geschrie­ben, für Block­flö­ten-Ensem­ble.

Karim Al-Zand komponierte The Mistletoe

CRESCENDO: Heu­te bedeu­tet Weih­nach­ten für Sie in ers­ter Linie Arbeit, oder? Auf­trit­te mit dem Ora­to­ri­um von Bach, dem Mes­si­as von Hän­del.
Diet­rich Hen­schel: Wobei gera­de das Bach’sche Ora­to­ri­um für mich zum posi­ti­ven Erin­ne­rungs­schatz zählt. Es gab eine Zeit, in der ich es jedes Jahr an Weih­nach­ten gesun­gen habe. Im ers­ten Chor Jauch­zet, froh­lo­cket gibt es die­se wun­der­schö­ne Eröff­nung, in der alle Gei­ger wie die Ver­rück­ten zu schram­meln begin­nen – das endet mit einem gro­ßen Cel­l­o­lauf run­ter zum tie­fen „d“. Immer, wenn das Cel­lo ein­setz­te, dach­te ich: So, und jetzt ist Weih­nach­ten. Pro­ble­ma­tisch wird es natür­lich wie­der, wenn man die Wer­ke von Hän­del oder Bach von Event zu Event sprin­gend zehn Mal hin­ter­ein­an­der singt.

Michèle Reverdy komponierte Soixante et quelques mains pour la Nativité

CRESCENDO: Was der Impuls für Ihr Album „X‑Mas Con­tem­pora­ry“, das aus allen Tra­di­tio­nen aus­bricht?
Diet­rich Hen­schel: Zunächst mal ein musi­ka­li­scher, näm­lich der Umstand, dass mir im Grun­de kei­ne Weih­nachts­wer­ke von zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­nis­ten bekannt sind. Es gibt A‑Cap­pel­la-Musik, mit der ich nicht sehr ver­traut bin, eini­ges an Pas­si­ons­mu­sik – aber Weih­nachts­lie­der? Von ein­deu­tig reli­gi­ös ver­or­te­ten Kom­po­nis­ten wie Pen­der­ecki exis­tiert Stil­le Nacht. Aller­dings in einer Sin­fo­nie. Ent­spre­chend fand ich es reiz­voll, dass sich zeit­ge­nös­si­sche Künst­ler mit Weih­nach­ten befas­sen – und sei es, um ihre Hass­lie­be, ihre Kon­sum­ver­ach­tung oder die Panik vor einem erneu­ten Anschlag auf den Weih­nachts­markt in Musik fas­sen.

Matan Daniel Porat komponierte Puppenhaus

CRESCENDO: Wel­ches State­ment for­mu­liert die Kom­po­si­ti­on Pup­pen­haus des Israe­lis Matan Dani­el Porat für Ihr Emp­fin­den?
Diet­rich Hen­schel: Porat als Nicht-Christ hat sich ein Gedicht vor­ge­nom­men, das aus der Sicht eines Kin­des for­mu­liert ist, das auf sei­ne Geschen­ke war­tet. Eine Situa­ti­on, die er wohl selbst kennt, weil sie uni­ver­sell ist – so wie Weih­nach­ten nicht mehr zwangs­läu­fig ein reli­giö­ses Fest ist. Das Kind in dem Gedicht zählt alles auf, was es sich gewünscht hat, eine Angel­ru­te, ein Modell­boot – und einen Hund. Am Ende wird es aber ein Pup­pen­haus. In der Wei­se, wie Matan es ver­tont hat, klingt das nach der absei­tigs­ten Ent­täu­schung. Heut­zu­ta­ge wäre es die Play­sta­ti­on, die ein Jun­ge sich wünscht, und statt­des­sen bekommt er ein Paar Schu­he. Da ändert sich am Wesent­li­chen nichts, inso­fern ist es eine der tra­di­tio­nells­ten Auf­nah­men des Albums.

Entstand aus dem historischen Glückfall der Wiedervereinigung:
das ensemble unitedberlin
(Foto: © Mathias Bothor)

CRESCENDO: Porat sagt im Book­let zur CD, Weih­nach­ten sei für ihn eine Zeit der Ein­sam­keit.
Diet­rich Hen­schel: Matan lebt allein in Ber­lin. Und Weih­nach­ten ist nun mal ein Fest, das man im Krei­se der Fami­lie fei­ert, auch die Freun­de, die man hat, rei­sen heim, sofern ihre Eltern noch leben. Es ist ver­gleich­bar mit Thanks­gi­ving in Ame­ri­ka. Vie­le sind aber auch nicht unglück­lich dar­über, die­se Fei­er­lich­kei­ten, die mit Ver­pflich­tun­gen und Geschen­ken ein­her­ge­hen, aus­las­sen zu kön­nen. An Weih­nach­ten sind die Stra­ßen wirk­lich leer­ge­fegt. Ich sehe dar­in sogar eine Chan­ce, mal allein sein zu kön­nen. Ein­sam­keit kann ja ein ersehn­ter Zustand sein, zumin­dest tem­po­rär.

Jamie Man komponierte GEBURT

CRESCENDO: Kann man Weih­nach­ten wirk­lich von allen reli­giö­sen Zusam­men­hän­gen ent­kop­peln?
Diet­rich Hen­schel: Das war für mich Teil des Expe­ri­ments: zwölf Men­schen zu fra­gen, die zum Teil nichts mit Reli­gi­on am Hut haben, was sie mit Weih­nach­ten anfan­gen kön­nen? Jamie Man hat eine Ana­ly­se des Geburts­pro­zes­ses geschrie­ben. Ihr Stück heißt auch schlicht GEBURT. Sie besingt das Zur-Welt- Kom­men als einen spoo­ki­gen, klang­lich beun­ru­hi­gen­den Vor­gang – für das Wesen, dem er bevor­steht. In dem Moment, da das Kind den Geburts­ka­nal pas­siert, setzt der Gesang ein, bis dahin wird in dem Stück gespro­chen. Ein sehr poe­ti­sches Prin­zip.

Annette Schlünz komponierte La Blancheur abolit le temps

CRESCENDO: Apro­pos Poe­sie. Annet­te Schlünz hul­digt in La Blan­cheur abolit le temps der wei­ßen Weih­nacht. Die es ja lei­der nicht mehr so häu­fig gibt…
Diet­rich Hen­schel: Sie hat sich einen Text aus einem phi­lo­so­phi­schen fran­zö­si­schen Werk vor­ge­nom­men, in dem über eine Situa­ti­on reflek­tiert wird, die sie selbst ähn­lich erlebt hat: eine Fahrt mit der rus­si­schen Eisen­bahn im tiefs­ten Win­ter, bei der unver­se­hens der Zug auf der Stre­cke ste­hen­blieb und die Loko­mo­ti­ve vor sich hin­pfiff. Was ein­setz­te, war ein Moment der Stil­le, der Schnee hat allen Schall geschluckt. Die­ses Bild wird von ihr akus­tisch unheim­lich plas­tisch beschwo­ren. Am Ende setzt sich der Zug wie­der in Bewe­gung und fährt ins Nir­gend­wo. Damit schafft sie einen Moment der Ver­zau­be­rung, der für sie weih­nacht­li­che Stim­mung aus­drückt. Aber natür­lich kann man die­ses Stück auch ent­kop­pelt von allen fest­li­chen Zusam­men­hän­gen ver­ste­hen.

Manfred Trojahn komponierte Christmas Greetings from a Fairy to a child
(Foto: © Bärenreiter Verlag)

CRESCENDO: Schlünz ver­bin­det mit Weih­nach­ten „den fast absur­den Wunsch nach Frie­den“. Ein Fest der gro­ßen Wün­sche und der gro­ßen Gefüh­le also. Aber wie­viel Iro­nie ver­trägt es?
Diet­rich Hen­schel: Man­fred Tro­jahn nimmt sich ein ganz tra­di­tio­nel­les Gedicht von Lewis Car­roll vor, Christ­mas Gree­tings from a Fai­ry to a Child, der in sei­nen Wer­ken ja stets eine sehr schrä­ge Form des Humors auf­schei­nen lässt. Tro­jahn beginnt tonal, fast Hol­ly­wood-like – und nach einer Wei­le bricht sich doch die Iro­nie Bahn. Er setzt Ton­ar­ten neben­ein­an­der, die sich so rei­ben, dass sie gera­de nicht mehr zusam­men­pas­sen, ser­viert absicht­lich ein biss­chen zu viel. Der Leb­ku­chen ist über­würzt, dar­in liegt die Iro­nie. Ein ande­res Bei­spiel ist Arno Waschk.

CRESCENDO: Des­sen Kom­po­si­ti­on schlicht Fro­hes Fest heißt…
Diet­rich Hen­schel: Sein State­ment lau­tet: „Nach Weih­nach­ten wird’s wie­der hel­ler“! Er hat selbst ein Gedicht über Knecht Ruprecht geschrie­ben, das aber in eine hand­fes­te Sati­re mün­det. Da erzählt er vom armen Christ­baum, der abge­hackt und nach dem Fest ver­heizt oder weg­ge­wor­fen wird. Musi­ka­lisch setzt er dafür Orches­ter­stär­ke ein, ent­fes­selt den Sturm, aus dem Knecht Ruprecht ein­gangs kommt, von drauß’ vom Wal­de – und beru­higt ihn mit der Bot­schaft „Frie­de auf Erden“. Auch das kann ja nie­mand ernst neh­men, der wachen Auges in die Welt schaut.

Übernimmt die musikalische Begleitung der traditionellen
Weihnachtslieder: Perkussionist Simone Rubino
(Foto: © Marco Borggreve)

CRESCENDO: Ihr Album ver­sam­melt nicht nur Neu­kom­po­si­tio­nen, son­dern auch Tra­di­tio­nals – aller­dings in unge­wöhn­li­cher Beset­zung. Sie las­sen sich von Simo­ne Rubi­no an Per­cus­sion und ande­rem Schlag­werk beglei­ten. Wie kam die Idee dazu?
Diet­rich Hen­schel: Ich begeg­ne die­sen Lie­dern mit einer gro­ßen Nai­vi­tät und Unschuld, mit dem Gefühl, mit dem ich sie ken­nen­ge­lernt habe – in der Kir­che, neben mei­ner Groß­mutter sit­zend, die laut­hals sang. Die Authen­ti­zi­tät, die ihnen inne­wohnt, woll­te ich unbe­dingt erhal­ten – auch mit einem Instru­men­ta­ri­um, das man zumin­dest aus west­li­cher Sicht nicht mit Kir­chen in Ver­bin­dung bringt. Simo­ne Rubi­no war der per­fek­te Part­ner dafür. Er kann Vom Him­mel hoch mit Poly­rhyth­mik auf­la­den, er setzt die Stü­cke in einer Wei­se groo­vig an, dass man das Gefühl hat, es han­de­le sich um fröh­li­che Tän­ze. So kann man sie auch außer­halb der Kir­che und ohne Orgel schät­zen ler­nen.

CRESCENDO: Was macht eine Instru­men­tie­rung mit Kuh­glo­cken oder Fahr­rad­klin­gel mit Ihrem Gesang?
Diet­rich Hen­schel: Es war sowie­so eine unglaub­li­che Her­aus­for­de­rung, die­se Tra­di­tio­nals auf­zu­neh­men, denn als Lied­sän­ger, der ich ja auch bin, gera­te ich in Ver­su­chung, sie als Kunst­lied zu sin­gen – das bedeu­tet für ein Weih­nachts­lied das Aus, dann ist es tot. Die Natür­lich­keit kommt nur mit einer gewis­sen Ursprüng­lich­keit zustan­de, ohne dem Inhalt Nach­druck ver­lei­hen zu wol­len, der kommt von allein. Weih­nachts­lie­der singt man am bes­ten mit – das war mein Gedan­ke, wäh­rend ich das Album auf­ge­nom­men habe.

Detlev Glanert komponierte Stille
(Foto: © Paula Winkler / Deutsche Oper Berlin)

CRESCENDO: Wie haben Sie die Aus­wahl getrof­fen?
Diet­rich Hen­schel: Wir haben uns vor­ge­nom­men, auf 12 tra­di­tio­nel­le Lie­der zu kom­men, damit unser musi­ka­li­scher Advents­ka­len­der zusam­men mit den 12 Neu­kom­po­si­tio­nen voll wird. Natür­lich muss­ten wir dabei eini­ges wie­der ver­wer­fen. Die Lie­der, die es am Ende auf das Album geschafft haben, sind die­je­ni­gen, die von ihrer Bot­schaft her am berüh­rends­ten waren, außer­dem sol­che, die gute Lau­ne machen. Und schließ­lich die, die man jedes Jahr in der Kir­che hört, mit Aus­nah­me von Stil­le Nacht, das haben wir nicht auf­ge­nom­men, weil der Kom­po­nist Det­lev Gla­nert es mit sei­ner Neu­kom­po­si­ti­on Stil­le bereits vor­weg­nimmt. Wenn­gleich nur text­lich.

Dirigent und künstlerischer Berater des ensemble unitedberlin:
Vladimir Jurowski
(Foto: © dpa / picture alliance / Sergey Pyatakov)

CRESCENDO: Wel­che Akzen­te haben der Diri­gent Vla­di­mir Jurow­ski und das ensem­ble united­ber­lin gesetzt, mit denen Sie „X‑Mas Con­tem­pora­ry“ auf­ge­nom­men haben?
Diet­rich Hen­schel: Mit Vla­di­mir habe ich mich ein­ge­hend bera­ten, was die Aus­wahl der Kom­po­nis­ten angeht. Er hat die Auf­nah­me gelei­tet und in den Pro­ben, wo nötig, kom­po­si­to­ri­sche Retou­chen ange­regt – und dadurch den Kom­po­si­ti­ons­pro­zess mit­ge­prägt. Er hat außer­dem sei­ne Assis­ten­tin Gabri­el­la Tey­chen­né mit vor­be­rei­ten­den Pro­ben beauf­tragt, die dem Ensem­ble und mir vie­le Aspek­te beson­ders der eng­lisch und ame­ri­ka­nisch gepräg­ten Kom­po­si­tio­nen nahe­ge­bracht haben. In der Auf­nah­me selbst hat sie dann auch eines der Wer­ke diri­giert.

CRESCENDO: Gab es auch wäh­rend der Auf­nah­me Dis­kus­sio­nen über das Wesen der Weih­nacht?
Diet­rich Hen­schel: Natür­lich! Wir hat­ten viel Spaß, gera­de mit den­je­ni­gen weih­nacht­li­chen Aspek­ten der Wer­ke, die in einer gewis­sen Oppo­si­ti­on zum tra­di­tio­nel­len Emp­fin­den ste­hen. Unglaub­li­che Kon­zen­tra­ti­on hat übri­gens das Auf­nah­me­team von FARAO clas­sics um ihren genia­len Chef Felix Gar­ger­le ein­ge­bracht. Der Zeit­plan war sehr eng und die Pro­fes­sio­na­li­tät die­ser Enthu­si­as­ten ein­fach beein­dru­ckend.

CRESCENDO: Der Wunsch, aus Kon­ven­tio­nen aus­zu­bre­chen, scheint für Ihre gesam­te Kar­rie­re prä­gend zu sein.
Diet­rich Hen­schel: Sagen wir es so: ich war bis­lang nie wirk­lich gefähr­det, einer Kon­ven­ti­on anheim zu fal­len. Ich habe kaum ein Stück in einer nor­ma­len Form gemacht, das war immer ein Teil mei­nes Cha­rak­ters, die Din­ge mit einer sehr eige­nen Per­spek­ti­ve anzu­ge­hen. Dem­entspre­chend bin ich auf sehr vie­len Ebe­nen tätig gewor­den.

CRESCENDO: Wenn Sie noch einen Wunsch frei hät­ten zu Weih­nach­ten – wel­cher wäre das?
Diet­rich Hen­schel: Ich wür­de mir wün­schen –, und ich wer­de dar­an arbei­ten – die vie­len unter­schied­li­chen Pis­ten, auf die ich mich bege­ben habe, die Erfah­run­gen, die ich dabei gewin­nen konn­te, noch mehr mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Und zwar ganz unab­hän­gig von Weih­nach­ten.

 

Weih­nachts­lie­der des 21. Jahr­hun­derts“:
CD 1: Karim Al-Zand, Det­lev Gla­nert, Vanes­sa Lann, Jobst Lieb­recht, Jamie Man, Matan Porat, Olga Ray­e­va, Michè­le Rever­dy, Annet­te Schlünz, José María Sán­chez-Ver­dú, Man­fred Tro­jahn, Arno Waschk: „X‑Mas Con­tem­pora­ry“, Diet­rich Hen­schel, ensem­ble united­ber­lin, Vla­di­mir Jurow­ski
CD 2: „X‑Mas Per­cus­sive. 12 tra­di­tio­nel­le Weih­nachts­lie­der“, Diet­rich Hen­schel, Simo­ne Rubi­no (Farao clas­sics)

www.amazon.de

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here