Riccardo Muti

News | 21.09.2022

Diri­gent Muti kriti­siert Ände­rungen in Opern­texten

von Redaktion Nachrichten

21. September 2022

Der italie­ni­sche Diri­gent Riccardo Muti kriti­siert heutige Ände­rungen in Opern­texten. „Es ist wichtig, dass die nach­fol­genden Genera­tionen wissen, was in der Vergan­gen­heit los war, im Guten wie im Schlechten“, sagte der Musik­di­rektor des Chicago Symphony Orchestra der Wochen­zei­tung „Die Zeit“ (22. September 2022). „Heute wissen wir, dass Diskri­mi­nie­rung, ob ethnisch oder sexuell, ein entsetz­li­cher Fehler ist“, betonte er. „Aber wir müssen den jungen Leuten sagen: Schaut her, diese Fehler wurden damals gemacht, passt also auf, nicht in die gleiche Falle zu tappen.“

Riccardo Muti

Riccardo Muti

Bei konzer­tanten Auffüh­rungen der 1859 urauf­ge­führten Verdi-Oper „Ein Masken­ball“ im Juni in Chicago hatte Muti entschieden, eine bestimmte Text­pas­sage aus dem ersten Akt beizu­be­halten. Das Stück basiert auf der wahren Geschichte von König Gustav III. von Schweden, der 1792 während eines Masken­balls ermordet wurde. Dass die Mailänder Scala, die Metro­po­litan Opera New York und andere Häuser den frag­li­chen Satz ändern, bezeich­nete Muti als Fehler. „Vor allem haben sie ihn nicht verstanden: In der Oper sagt der Ober­richter, ein Weißer, über die Wahr­sa­gerin Ulrica, sie sei vom »unreinen Blut der Neger«. Das ist ein unge­heu­er­li­cher Satz. Aber Verdi legt ihn dem weißen Richter in den Mund und macht ihn damit lächer­lich. Er entlarvt ihn. Nicht nur das: Der Gouver­neur von Boston und vor allem Oscar, sein Page, vertei­digen sie und plädieren sinn­gemäß dafür, Gnade walten zu lassen. Es ist also richtig, die Menschen wissen zu lassen, was geschrieben wurde und warum. Wenn man es ändert, macht man Verdi zu einem Rassisten.“

So habe er seine Ansicht auch dem Tenor vermit­telt, der in den Auffüh­rungen den Ober­richter gesungen hat – dem schwarzen Südafri­kaner Lunga Eric Hallam. Gleich­zeitig habe er dem Sänger ange­boten, „dass wir eine andere Lösung finden werden, wenn es ihm wider­strebe, diesen Satz vorzu­tragen“. Hallam habe erwi­dert: „Maestro, nach dieser Erklä­rung habe ich nicht das geringste Problem damit.“

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Fotos: Todd Rosenberg