"La Gioconda", Deutsche Oper Berlin

News | 25.02.2024

Deut­sche Oper Berlin: Letzter Vorhang für „La Gioconda“

von Redaktion Nachrichten

25. Februar 2024

Die Deutsche Oper Berlin hat mit einer letzten Vorstellung von Amilcare Ponchiellis "La Gioconda" Abschied genommen. Diese Produktion war 50 Jahre lang Teil des Repertoires des Hauses. Dabei beeindruckte Carmen Giannattasio in der Titelpartie. Die Entscheidung, die Oper aus dem Spielplan zu streichen, stieß auf Kritik.

Mit stür­mi­schem Beifall hat sich das Publikum in der ausver­kauften Deut­schen Oper in Berlin von Amil­care Ponchiellis „La Gioconda“ verab­schiedet. In der histo­ri­sie­renden Insze­nie­rung von Filippo Sanjust war die Oper 50 Jahre lang im Reper­toire des Hauses. Mit der Vorstel­lung am Sams­tag­abend ist für die beliebte Produk­tion endgültig der Vorhang gefallen.

"La Gioconda"

„La Gioconda“

In der Titel­partie bril­lierte die ausdrucks­starke Sopra­nistin Carmen Giann­at­tasio als Stra­ßen­sän­gerin Gioconda. In den weiteren Haupt­rollen beein­druckten Teresa Romano als Laura und Angelo Villari in der Rolle des Edel­manns Enzo Grimaldo, außerdem Mari­anne Cornetti als blinde Mutter, Marko Mimica als Inqui­sitor Alvise Badoero und Dalibor Jenis als hinter­häl­tiger Spion Barnaba. Nach einzelnen Arien gab es mehr­fach Szenen­ap­plaus und zum Schluss Ovationen im Stehen.

Unter Leitung von Kapell­meister Giulio Cilona, seit dieser Saison Assis­tent von Gene­ral­mu­sik­di­rektor Donald Runnicles, stand das Orchester der hervor­ra­genden Sänger­be­set­zung in nichts nach.

In der farben­präch­tigen Insze­nie­rung von Sanjust hatte das Stück am 1. März 1974 an der Deut­schen Oper Première. Seitdem kam es im Drei­jah­res­turnus immer wieder ins Programm.

Aufsehen erregte die Produk­tion nicht zuletzt dadurch, dass in das illu­sio­nis­ti­sche Bühnen­bild Origi­nal­de­ko­ra­tionen aus der Entste­hungs­zeit inte­griert waren. Wegen längerer Umbau­pausen nach jedem Akt dauerte eine Vorstel­lung rund vier­ein­halb Stunden.

Urauf­ge­führt wurde „La Gioconda“ 1876 an der Mailänder Scala, das Libretto schrieb Arrigo Boito unter dem Pseud­onym „Tobia Gorrio“. In den frühen 1970er Jahren fand Sanjust in einem Atelier in Rom Bühnen­pro­spekte zu der Oper mit histo­ri­schen Ansichten von Venedig. Für seine Rekon­struk­tion verwen­dete er auch origi­nale Kostüm­ent­würfe.

Die Ankün­di­gung, dass die Oper nach insge­samt 63 Vorstel­lungen aus dem Spiel­plan verschwindet, stieß in der Öffent­lich­keit auf große Kritik. Der „Tages­spiegel“ warf dem künf­tigen Inten­danten Aviel Cahn, der sein Amt im August 2026 antritt, eine unpo­pu­läre Entschei­dung vor. „Viele Menschen in dieser Stadt lieben die altmo­di­sche Ausstat­tung und Ausstrah­lung von »La Gioconda« “, hieß es in einem Anfang Februar veröf­fent­lichten Kommentar.

In einem Inter­view mit der „B.Z.“ begrün­dete Cahn die Maßnahme mit Kapa­zi­täts­grenzen und hohen Kosten für die Lage­rung von Bühnen­bil­dern. In Bezug auf „La Gioconda“ sprach Cahn von einem „aufwen­digen, teuren Nischen-Reper­toire“. Um die Produk­tion zu erhalten, wären große Inves­ti­tionen notwendig, da die Ausstat­tung mitt­ler­weile in einem schlechten Zustand sei.

Die Deut­sche Oper plant nun, die alten Kulissen im Internet zum Verkauf anzu­bieten. Auf der Platt­form change​.org wurde unter­dessen eine Peti­tion zum Erhalt von „La Gioconda“ gestartet. Bisher kamen über 700 Unter­schriften zusammen.

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Fotos: kranichphoto