links AJ Glueckert (Görge) mit Kinderchor der Oper Frankfurt sowie im Hintergrund auf der Schaukel Zuzana Marková (Prinzessin Gertraud) in "Der Traumgörge", Oper Frankfurt 2024

News | 25.02.2024

Märchen­hafte Träume und Albträume an Oper Frank­furt

von Redaktion Nachrichten

25. Februar 2024

Die erste szenische Aufführung von Alexander Zemlinskys Oper "Der Traumgörge" in Frankfurt wurde durch die Inszenierung von Tilmann Köhler und das Dirigat von Markus Poschner zum Publikumserfolg. Vor allem Poschners Fähigkeit, das Orchester in den komplexen Zuständen Zemlinskys zu führen und die Hitze der dörflichen Rhythmen zu erhöhen, wurde gelobt.

Jubel­stürme erntete die erste szeni­sche Frank­furter Auffüh­rung von Alex­ander Zemlin­skys Oper „Der Traum­görge“ in der nur vorder­gründig schlichten Insze­nie­rung von Tilmann Köhler. Vor allen anderen beju­belte das Publikum am Sonn­tag­abend das enga­gierte Dirigat Markus Posch­ners, der das Orchester nicht nur zu feinster Diffe­ren­zie­rung in den extrem aufge­fä­cherten Schwe­be­zu­ständen Zemlin­skys antrieb, sondern auch die aufpeit­schenden Rhythmen der Dorf­ge­mein­schaft mühelos bis zum blutigen Pogrom­rausch stei­gerte.

"Der Traumgörge"

„Der Traum­görge“

Im Kontrast zum über­bor­denden, symbo­lis­ti­schen Schwellen des Orches­ter­gra­bens stand der hölzerne Märchen­büh­nen­kasten von Karoly Risz: Ein nach vorn abfal­lender, bedroh­lich heller Raum als Mixtur zwischen Puppen­bühne, naivem Guck­kasten und geschlos­sener Kiste. Hier träumt sich Görge in die Welt seiner Märchen und Bücher hinein, weil die Umwelt immer aggres­siver und feind­li­cher wird. Erlö­sung findet er nicht bei der ihm verspro­chenen Grete, sondern bei seiner Prin­zessin der Träume, die er im zweiten Akt in der Gestalt der als Hexe verschrienen Gertraud endlich zu finden glaubt. Über­zeu­gend, wie sich Köhler in seiner packenden Perso­nen­regie auf die Situa­tion des Außen­sei­ters in einer blut­rüns­tigen Gesell­schaft fokus­siert und dabei raffi­niert zwischen Traum und Wirk­lich­keit chan­giert.

Alle Sänge­rinnen und Sänger geben an diesem Abend ihr überaus schwie­riges Rollen­debüt. Beson­ders eindrück­lich sang und agierte die tsche­chi­sche Gast­so­pra­nistin Zuzana Marková in ihrer Doppel­rolle als Prin­zessin und Gertraud. Alle übrigen Rollen waren mit Ensem­ble­mit­glie­dern besetzt: AJ Glue­ckert in der Titel­partie über­zeugte mit Durch­set­zungs­kraft und edlem Tenor, Magda­lena Hinterd­o­bler als zupa­ckende Grete und Liviu Holender in der Rolle des aufdring­li­chen Hans. Gran­dios auch das blut­gie­rige Dorf­trio Kaspar (Iain MacNeil), Züngl (Michael Porter) und Mathes (Mikolaj Trabka). Wieder über­ra­gend: Der Frank­furter Chor und Kinder­chor in prägnant insze­nierten Szenen, die das Glück des Liebes­paares bedrohen.

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Fotos: Barbara Aumüller