Es wimmelt nur so vor Goldberg-Variationen in allen Formen und Besetzungen. Um da herauszustechen bedarf es schon etwas Besonderem. Das liefert Niklas Liepe. Es fängt damit an, dass der 30-jährige Musiker Geige spielt und nicht etwa ein Tasteninstrument (oder Harfe, Akkordeon oder Marimba, die üblichen Goldbergvariationstranskriptionsverdächtigen). Und des Weiteren, dass er nicht einfach Andreas Tarkmanns Arrangement der Variationen für Geige bzw. Streichtrio, Streichorchester und Cembalo spielt – quasi als groß aufgelegte Variante der Sitkovetsky-Streichtrio-Version. Niklas Liepe streut in die 13 ausgesuchten Variationen (nebst der beiden Arien) elf kleine, neukomponierte Halbedelsteinchen ein, die Bachs Licht brechen, färben, und zurück auf die Variationen werfen. 

Niklas Liepe tanzt auf seiner Geige um Bach

Tanzt auf seiner Geige um Bach: Niklas Liepe
(Foto: © Kaupo Kikkas

Von Rolf Rudin über u.a. Dominik Dieterle, Moritz Eggert, Friedrich Heinrich Kern, und Stephan Koncz zum feinen Epilog von Konstantia Gourzi hin gibt es da jazzige, Piazzollaneske, Glasharmonika-eisgehauchte, Schnittke-like angeschmolzene Intermezzi die auf ihre – hier in sich gekehrte, dort extrovertierte – Art um Bach tanzen. Die Bach’schen Goldberg-Variationen selber werden derweil zu neobarocken Suiten und kommen den Neukompositionen ein Stück entgegen. Für Bach-Liebhaber mit offenen Ohren sind diese „#GoldbergReflections“ ein wahrer Schmaus der vom Initiator und Solisten und den Streichern der NDR Radiophilharmonie blitzsauber hingelegt wird.