Dem neuen Klassikpreis auf die Finger geschaut Scheinwerfer ins Dunkel!

Der ECHO KLASSIK heißt nun OPUS KLASSIK. Man mag über die Veranstaltung geteilter Meinung sein. Aber es gibt durchaus Preisträger, die es zu entdecken gilt.

Neu­er Name – und sonst? Der Musik­preis, einst bekannt als ECHO KLASSIK, heißt nun OPUS KLASSIK: Er besteht aus weit­ge­hend der­sel­ben Jury. Die Preis­ver­lei­hungs-Gala, die wie­der vom ZDF über­tra­gen wird, fin­det am sel­ben Ver­an­stal­tungs­ort statt (Kon­zert­haus Ber­lin) und wird vom sel­ben Mode­ra­tor prä­sen­tiert ( Tho­mas Gott­schalk). Vom eins­ti­gen Sturm nach dem ECHOPOP- Skan­dal um die anti­se­mi­ti­schen Tex­te der Rap­per Kol­le­gah und Farid Bang ist wenig übrig geblie­ben. Dabei waren es damals aus­ge­rech­net die Klas­sik­künst­ler, die ihre Prei­se aus Pro­test als Ers­te zurück­ge­ge­ben haben. Und nun? Wei­ter so, wie gehabt, außer dass die Pho­no-Aka­de­mie nicht mehr offi­zi­el­ler Ver­an­stal­ter ist und ein neu­er Name gefun­den wur­de? Ja, so sieht es lei­der aus.

DER OPUS KLASSIK IN ZAHLEN: DIE JURY
5 Vertreter von Plattenfirmen
2 Fachjournalisten
2 Vertreter ZDF-Redaktion Musik
1 Kulturmanager
1 Vertreter Deutscher Musikrat

 

Zwar wird eine voll­kom­me­ne Revo­lu­ti­on des Prei­ses im nächs­ten Jahr ver­spro­chen (dann auch mit Kon­zer­ten und Büh­nen­pro­duk­tio­nen als Preis­trä­ger), aber die Chan­ce, ein Inne­hal­ten der Bran­che zu signa­li­sie­ren, und sei es nur, indem die Preis­trä­ger in der ZDF-Gala Wer­ke soge­nann­ter „ent­ar­te­ter Kom­po­nis­ten“ spie­len? Fehl­an­zei­ge! Unter die­sen Umstän­den mag es ver­wun­dern, dass wir von cre­scen­do uns den­noch ent­schlos­sen haben, auch in die­sem Jahr wie­der einen Schwer­punkt zum neu­en Musik­preis her­aus­zu­ge­ben. Wir haben inner­halb der Redak­ti­on lan­ge dar­über debat­tiert. Und sind am Ende zu fol­gen­dem Schluss gekom­men: Seit wir den ECHO KLASSIK beglei­ten, ging es uns stets dar­um, auch jenen Künst­lern ein Forum zu bie­ten, die nicht in der gro­ßen ZDF-Sau­se auf­tre­ten. Dort­hin zu hor­chen, wo Musik noch ein Aben­teu­er ist, wo cou­ra­gier­te Labels und lei­den­schaft­li­che Musi­ker, oft in der Nische der Öffent­lich­keit, Trou­vail­len aus­gra­ben, sich akri­bisch um neu­es Reper­toire und neue Inter­pre­ta­ti­ons­an­sät­ze küm­mern. Denn das wäre für uns von cre­scen­do der größ­te Ver­dienst einer sol­chen Ver­an­stal­tung: das Schein­wer­fer­licht auf jene Künst­ler zu wer­fen, die in den Mas­sen­me­di­en ansons­ten in der Dun­kel­heit ste­hen. Sie haben wir in den letz­ten Jah­ren in inten­si­ven Video- Gesprä­chen vor­ge­stellt, uns von ihnen begeis­tern las­sen und an ihrer Lei­den­schaft teil­ge­nom­men.

DER OPUS KLASSIK IN ZAHLEN: DIE KANDIDATEN
511 Einreichungen
22 Kategorien
53 Preisträger, davon gehen:
28 Preise an die Majors (Universal, Sony, Warner)
25 Preise an kleinere Plattenfirmen („Independents“)

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Es sind auch die­se Künst­ler, die beson­ders vehe­ment gegen die anti­se­mi­ti­schen Aus­fäl­le bei der ECHO-POP-Ver­lei­hung pro­tes­tiert haben (die Super­stars der Bran­che haben erst spä­ter aus oft stra­te­gi­schen Grün­den mit­ge­macht). Und wir fin­den, dass ein Preis, wie es der ECHO war und wie es der OPUS ist, noch immer eine gute Gele­gen­heit dar­stellt, die­se Men­schen in den Fokus zu rücken. Des­halb wird sich cre­scen­do die­ses Jahr im Hoch­glanz­ge­schäft des OPUS bewusst zurück­hal­ten, nicht von der Ver­lei­hung und der gro­ßen Show berich­ten. In die­sem Schwer­punkt geht es uns dar­um, Ihnen, ver­ehr­te Leser, jene Musi­ker vor­zu­stel­len, die auch bei der gro­ßen Gala nicht im Schein­wer­fer­licht ste­hen wer­den. Preis­trä­ger, die das Geschäft mit der klas­si­schen Musik so span­nend machen. Künst­ler, die kei­ne x-belie­bi­ge La Tra­via­ta oder Beet­ho­ven 5 ein­spie­len. Son­dern Musi­ker, die sich inten­siv mit dem Reper­toire, das sie auf­neh­men, aus­ein­an­der­set­zen, deren Ergeb­nis­se nie belie­big, son­dern exis­ten­zi­ell für das sind, was sie mit ihrer Kunst aus­sa­gen wol­len. Künst­ler, von denen wir fest über­zeugt sind, dass sie und ihre Auf­nah­men es wert sind, gehört zu wer­den. Künst­ler, die jen­seits der schil­lern­den Klas­sik-Ober­flä­che in die Tie­fe abtau­chen und wirk­lich Neu­es und Auf­re­gen­des für uns zuta­ge för­dern. So wie immer wird die ZDF-Gala auch wie­der ein Tref­fen der Bran­che sein: Die Ent­schei­der der Labels, Jour­na­lis­ten, Künst­ler und Publi­kum wer­den auf­ein­an­der tref­fen. Und in den Gesprä­chen auf den Flu­ren wird es in die­sem Jahr sicher­lich auch um die Fra­ge gehen, wie es denn kon­kret mit dem Preis wei­ter­ge­hen soll. Ob man sich wie­der mehr Ernst­haf­tig­keit leis­ten kann, ob die gro­ße Show sich auch wie­der inten­si­ver um die Musik küm­mern soll­te, ob man den Künst­lern einen grö­ße­ren Raum ein­räu­men kann, um von ihren Pro­jek­ten zu schwär­men, ob es nicht an der Zeit sei, neben den all­ge­mein bekann­ten Mega­stars mehr New­co­mer auf die Büh­ne zu stel­len, um ihre Begeis­te­rung zu erle­ben. cre­scen­do freut sich auf all die­se Dis­kus­sio­nen und auf einen bevor­ste­hen­den Wan­del des Prei­ses. Aber die­se Debat­te um die Zukunft des OPUS KLASSIK wird wohl erst beim ers­ten OPUS KLASSIK selbst geführt wer­den.

DER OPUS KLASSIK IN ZAHLEN: DIE ZDF-GALA
10 auftretende Preisträger, davon
9 Major-Künstler
1 Independent-Künstler
43 Preisträger, die Sie nicht sehen werden …

 

Und wir von cre­scen­do hof­fen, dass allen Betei­lig­ten klar wird, dass die Kunst, für die wir gemein­sam schwär­men, mehr ist als eine bun­te und schril­le Ver­pa­ckung. Dass sie gera­de nach den Vor­fäl­len beim ECHO POP die Chan­ce birgt, Bewusst­sein für das Ver­gan­ge­ne zu schär­fen und Visio­nen für die Zukunft zu ent­wi­ckeln. Und dass dafür zunächst ein­mal voll­kom­men offen alles Bis­he­ri­ge auf den Prüf­stand gestellt wer­den soll­te: von der Jury über die Prä­sen­ta­ti­on der Preis­trä­ger bis zu den Kri­te­ri­en, nach denen ent­schie­den wird. Und des­halb nut­zen wir die­se Denk­pau­se, um Ihnen, ver­ehr­te Leser, auf den nächs­ten Sei­ten jene Künst­ler inten­siv vor­zu­stel­len, von denen wir glau­ben, dass sie die wah­re Zukunft der klas­si­schen Musik sind.

Ihr cre­scen­do-Team

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