Das dritte Out of the Box Festival findet von 14. Januar bis 6. Februar 2022 in München statt. Es schafft Bühnen für originelle Musikproduktionen – mit drei Uraufführungen von Ralf Schmid, Django Bates und Christian Muthspiel.

Wir wollen das Spektakuläre zum Prinzip erheben.“ Damit fasst die künstlerische Leiterin Martina Taubenberger zu Anfang der Pressekonferenz zum Out of the Box Festival am 22. Oktober 2021 das Konzept der Veranstaltung in wenige Worte. Spektakulär kann man das nennen, wenn Künstler unter Wasser musizieren, auf Musikinstrumenten aus Eis spielen, sich in Folie einschweißen lassen oder am Konzertflügel 80 Meter über dem Baugelände zum neuen Konzertsaal in München schweben. Das und mehr war alles schon da, bei Out of the Box. Das Außergewöhnliche, vor allem, aber nicht nur in der Musik, soll hier eine Bühne erhalten.

Drei Uraufführungen

Nach der unvermeidlichen Covid-Zwangspause soll es 2022 wieder stattfinden. Es ist die dritte Ausgabe des Veranstaltungsformats, und die Verantwortlichen haben die Zeit genutzt. Erstmals soll es gleich drei Uraufführungen geben, es wurden entsprechende Werke bei etablierten Komponisten in Auftrag gegeben. Die dürfen agieren mit Kammerorchester, Jazzbigband, Chor und Solisten, und es wird der interdisziplinäre Aspekt in der Kunst nicht zu kurz kommen. So werden Tanz, Lichtkunst, digitales Sounddesign und vieles mehr integriert.

Bewegung und Starre

Wieder soll es ein zeitgemäßes und gesellschaftsrelevantes Rahmenthema geben. Bei der ersten Festivalausgabe war das Digitalisierung, ein Jahr darauf ökologische Nachhaltigkeit. 2022 stehen, passend zur ungewöhnlichen Covid-Situation, Mobilität und Bewegung im Mittelpunkt. Gleichzeitig soll das in den letzten Jahren oft unfreiwillig geforderte Gegenteil, Starre und Bewegungslosigkeit, thematisiert werden. Dabei gibt es auch ein Augenmerk auf mögliche individuelle Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, etwa wegen Gehörlosigkeit, Blindheit oder einer Lähmung.

Der Komponist und Pianist Ralf Schmid
Der Komponist und Pianist Ralf Schmid mit Wearables an seinen Flügeln
(Foto: © Lia Sáile)

Ein spannendes Spektrum also, mit dem sich die Komponisten auseinandersetzen, die alle Bewegung unter verschiedenen Gesichtspunkten in ihre Musik integrieren. Ralf Schmid wählt dabei erneut einen teils digitalen Ansatz, und so heißt seine Komposition Digitale Poesie: The Human Touch. Schmid agiert an zwei Konzertflügeln und zusätzlich mit Wearables an den Händen, über deren Sensoren er ebenfalls die Flügel ansteuern, Töne spielen und Sounds verändern kann. So entsteht durch Bewegung von Händen und Armen ein Teil der Musik. „Ich habe rausgefunden, dass das sehr organisch ist“, stellt Schmid fest, der das digitale Musizieren gern ohne die sonst erforderlichen Schalter, Pedale, Tasten oder Notebookbildschirme bewerkstelligt. Er hat sowohl für sein Soloprojekt Pyanook als auch bereits für Orchester und Chor komponiert. Für das Festival verfasst er nun erstmals ein Klavierkonzert, das er als Solist mit dem schwedischen o/modernt Kammerorkestar, Dirigent Hugo Ticciati und dem Vokalensemble Trondheim Voices am 14. Januar 2022 uraufführt. Dabei sind die anderen Musizierenden ebenfalls im Raum in Bewegung.

Projekt von Django Bates
Tanz und Gebärdensprache im Projekt von Django Bates
(Foto: © Ceren Oran)

Babel – A Ballet of Signs nennt sich das Werk des britischen Komponisten und Jazzkünstlers Django Bates, der in der Schweiz lebt und bei der Pressekonferenz nicht vor Ort sein konnte. Einen Schwerpunkt soll seine Komposition auf Perkussivität, Rhythmik und Dynamik haben. So entsteht Musik, die den Zuhörenden und Zuschauenden gut im Wechselspiel mit Tanz und Gebärdensprache präsentiert werden kann. Für Gehörlose und alle anderen, die Gebärdensprache verstehen, erschließt sich eine zusätzliche Bedeutungseben des Stücks. Bei dieser Produktion sind erneut das o/modernt Kammerorkestar und die Trondheim Voice dabei, außerdem das eigens dafür formierte Bern Art Ensemble. Jin Lee, Jihun Choi und Uwe Brauns übernehmen die Tanzparts. Am 28. Januar 2022 wird das Werk uraufgeführt.

Der Musiker Christian Muthspiel und sein OrJazztra
Christian Muthspiel und sein OrJazztra
(Foto: © Lukas Beck)

Eine andere Art von Bewegung kommt bei Christian Muthspiel zum Einsatz, und zwar die des Riesenrades im Münchner Werksviertel. Das dreht sich noch einige Zeit dort, wo in vielen Jahren der neue Konzertsaal erstrahlen soll. Muthspiel, der als Komponist, Dirigent und Posaunist sowohl im Jazz als auch der klassischen Musik tätig ist, hat seine Riesenradoper auf das besondere Setting abgestimmt. „Es musste ein Konzept sein, das nur mit Riesenrad Sinn ergibt“, erklärt er im Gespräch. Am 4. Februar 2022 findet die Uraufführung statt. Unter den Mitwirkenden sind Muthspiels OrJazztra Vienna und die Sängerinnen Eva Klampfer, Lucia Karnig und Anna Anderluh. Die 27 Musizierenden nehmen in ebenso vielen Gondeln Platz. Statt einem Dirigat nach Takt sollen synchronisierte Stoppuhren ihnen das Zusammenspiel ermöglichen. Die Musik integriert Improvisation, freie Passagen und Soloparts. Wer mag, kann selbst in einer Gondel eine Künstlerin oder einen Künstler begleiten und per Kopfhörer die Musik des ganzen Ensembles hören. Der abgemischte Gesamtsound wird außerdem parallel auf den Platz übertragen, wo die Musizierenden auf einem Split-Screen zu sehen sind.

Es sind also einerseits unterschiedliche Stücke, die andererseits wesentliche Gemeinsamkeiten haben. „Es sind drei Teile eines Gesamtkunstwerks. Das verbindende Element ist die Poesie“, formulierte es der Regisseur Axel Tangerding. Der Leiter des Münchner Meta Theaters vergleicht die Kompositionen sogar den drei Sätzen eines musikalischen Werks. Er übernimmt bei allen Produktionen die Regie und dramaturgische Beratung und hat mit der Festivalleiterin Taubenberger die Libretti verfasst. Ebenfalls an allen Stücken beteiligt sind die Choreografin Ceren Oran und der Lichtdesigner Rainer Ludwig. Das Sounddesign für Schmids Digitale Poesie gestaltet Asle Karstad aus Norwegen mit.

Selbstgewählte Ticketpreise

Für die Hauptwerke gibt es jeweils mehrere Auftrittsdaten. Außerdem wollen die Verantwortlichen wieder ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm organisieren, mit Konzerten, Gesprächsformaten und Workshops für alle Altersgruppen. Für den Eintritt möchten sie einen neuen Ansatz ausprobieren, den selbst gewählten Ticketpreis. Das sieht Taubenberger als Einladung für alle, die Veranstaltungen zu besuchen, unbesehen des Kontostandes, und gleichzeitig als Denkanstoß mit Blick auf den Wert von Kultur.

Termine und weitere Informationen zum Musikfestival Out of the Bos 2022 in München unter: werksviertel-kunst.de 

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