Das Parker Quartet und die Bratschistin Kim Kashkashian feiern György Kurtágs 95. Geburtstag.

György Kurtág beging im Februar 2021 seinen 95. Geburtstag. Der Spröde, mit Tönen spielende und grübelnde Ungar bevorzugte lange Zeit die klein besetzten musikalischen Formen. Dabei machte er sich rar mit Selbsterklärungen zu seinen Kompositionen. 

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Das Parker Quartet spielt Officium breve in memoriam Andreæ Szervánsky, op.28 von György Kurtág

Man muss es sofort erwähnen: Antonín Dvořáks in Amerika entstandenes Streichquintett Nr. 3 ist ein nicht-materieller Fremdkörper auf diesem Album. Sicher spielt das Parker Quartet dieses schlank, stimmig und mit kantablem Feinsinn. Doch Dvořáks Melodik und formale Geschlossenheit fährt wie ein warmer Föhnwind zwischen die von rauem Wetter gegerbt klingenden Kompositionen Kurtágs. Dessen Aussparungen, die mitunter leer wirkenden Akkorde und die Zeitpotenziale großzügig ausschreitenden Klänge geben dem innewohnenden Vakuum Form – und vor allem Spannung. So wird Kurtágs schnelles Capriccio in den seinem Sohn gewidmeten Six moments musicaux zu einem für Hörer herausfordernden Energiekick. 

Die Bratschistin Kim Kashkashian spielt mit im Streichquintett Nummer drei, das Antonín Dvořák 1893 in Amerika komponierte
(Foto: © Caterina Di Perri / ECM Records)

Der Spröde inspiriert sich am eigenwilligen Rätselhaften: Kurtág unterzog im Satz Footfalls Samuel Beckett einer musikalischen Paraphrase und denkt in Tönen immer wieder an andere wie den Klavierpädagogen György Sebők oder Endre Szervánszky, der in Budapest zahlreiche ungarische Kompositionsstudierende unterrichtet hatte. Kurtágs musikalisches Erinnern an Stockhausen, Boulez und Weggefährten der Neuen Musik, die er zum Teil schon Ende der 1950er-Jahre in Paris kennengelernt hatte, führt in seinen Werken zu hör- und spürbaren Reibungsflächen. Dass Kurtág, der Karge, eigentlich ein verkappter Musikdramatiker ist, bestätigte sein Operndebüt mit Becketts Endspiel an der Mailänder Scala 2018. Kurtágs dialogfähige Ausdruckskraft macht auch dieses Album zu einem nicht einfachen, aber die Mühe der Erschließung lohnenden Musikerleben, das alle Mitwirkenden mit geistiger und spielerischer Bestform beflügelt.

Auftrittstermine und weitere Informationen zum Parker Quartet unter: www.parkerquartet.com

György Kurtág: „Six moments musicaux. Officium breve” u.a., Parker Quartet, Kim Kashkashian (ECM)

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