Die Playlist von... Patricia Kopatchinskaja

Eine spannende Mischung von ­zeitgenössischen Kompositionen ist es, die sich auf der privaten Playlist der ­moldauischen Geigerin Patricia Kopatchinskaja finden. Sie selbst hat gerade ein neues Duo-­Album mit Werken von Bartók, Ravel und Poulenc herausgebracht.

  1. Maria Tana­se: Male­dic­tion d’amour
    In Tana­ses hyp­no­tisch beschwö­ren­der Stim­me spie­gelt sich mei­ne gan­ze Her­kunft, mei­ne Hei­mat, das Leid und die Lei­den­schaft die­ser Län­der, der Urgrund mei­ner Musik und mei­ner Emp­fin­dun­gen.
  2. Fran­cis­co Coll: Four Ibe­ri­an Minia­tures
    Die­ser jun­ge spa­ni­sche Kom­po­nist schöpft unter ande­rem aus der Tra­di­ti­on sei­nes Her­kunfts­lan­des. Er evo­ziert ibe­ri­sche Far­ben und For­men mit Neu­heit, Witz und Sin­nen­freu­de. Sel­ten hört man Musik, die einer­seits so her­aus­for­dert, aber gleich­zei­tig zu hören und spie­len Spaß macht. Coll ist auch Maler mit einer aus­ge­spro­chen gefühl­vol­len Bezie­hung zu Pin­sel und Far­be. Eben­so sind sei­ne Kom­po­si­tio­nen kei­ne kon­stru­ier­ten Kopf­ge­bur­ten, son­dern sinn­lich erfahr­ba­re Wesen. Er hat für mich und die Cel­lis­tin Sol Gabet­ta ein Dop­pel­kon­zert geschrie­ben, das wir 2019 mit der Came­ra­ta Bern urauf­füh­ren wer­den.
  3. Micha­el Hersch: Die Zer­stö­rung der Blu­men, 20. Satz
    Micha­el Hersch ist ein Kom­po­nist und Pia­nist aus den USA. Trotz sei­nes rela­tiv jun­gen Alters, wur­de er durch schwers­te Krank­heit mit den letz­ten Din­gen kon­fron­tiert. Sei­ne Musik beschäf­tigt sich damit und mit der Fra­ge, was wir der­zeit mit unse­rem Pla­ne­ten anstel­len. Hier gibt es kei­ne schö­nen, unter­halt­sa­men Ober­flä­chen. Alles ist direkt und scho­nungs­los. Neben ihm erscheint die Beschäf­ti­gung mit Barock, Klas­sik und Roman­tik fast wie fei­ger Eska­pis­mus. Es ist eine Aus­ein­an­der­set­zung mit den eige­nen Kräf­ten, die an die Gren­zen gehen.
  4. Már­ton Illés: Poly­di­men­sio­na­le Sze­nen VII „Vonal­mez­ök“
    Már­ton Illés ist ein unga­ri­scher Pia­nist und Kom­po­nist. Sei­ne Wer­ke haben die Qua­li­tät des neu­ar­tig „Uner­hör­ten“ und gleich­zei­tig etwas Unbe­ding­tes, das mich voll­kom­men bannt. Ich freue mich und bin unend­lich gespannt auf sein neu­es Vio­lin­kon­zert in Köln.
  5. Luca Fran­ces­co­ni: Duen­de, The Dark Notes
    Der Ita­lie­ner Luca Fran­ces­co­ni hat bei Lucia­no Berio stu­diert und ist der Doy­en der hier prä­sen­tier­ten Kom­po­nis­ten. Sei­ne Musik hat die Qua­li­tät, sofort Auf­merk­sam­keit auf sich zu zie­hen und gefan­gen zu hal­ten. Und in der Ein­spie­lung mit Lei­la Jose­fo­wicz ist eine uner­schro­cke­ne Gei­ge­rin zu hören, die ihre enor­me musi­ka­li­sche Intel­li­genz, Vir­tuo­si­tät, Schön­heit und Büh­nen­prä­senz der beque­men Klas­si­k­rou­ti­ne völ­lig ver­wei­gert und nur noch Neue Musik spielt. Ein neu­es Stück für Vio­li­ne solo von Fran­ces­co­ni wer­de ich auf einem Album mit dem Ensem­ble Il Giar­di­no Armo­ni­co auf­neh­men.

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