Es ist völ­lig egal, wo man die Wein­rei­se ent­lang des Jakobs­we­ges beginnt, im äußers­ten Nord­wes­ten Spa­ni­ens in der Hafen­stadt La Coruña oder in der Kapi­ta­le Madrid, es wird so oder so eine span­nen­de Pil­ger­rou­te nach San­tia­go di Com­pos­te­la.

Ein alter gali­ci­scher Spei­cher, der mit sei­ner auf­wän­di­gen Bau­wei­se
die Vor­rä­te vor Feuch­tig­keit und Nage­tie­ren schüt­zen soll­te 

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Eine Ent­de­ckungs­rei­se vor­bei an abge­schie­de­nen Berg­dör­fern und Päs­sen, an vom Gra­nit­ge­stein gepräg­ten Höhen­la­gen oder ent­lang zahl­rei­cher Wein­gär­ten, Tau­sen­der klei­ner Par­zel­len und Wein­berg­ter­ras­sen, hin zu vie­len klei­nen fami­li­en­geführ­ten Win­zer­be­trie­ben, die ursprüng­lich Wein für den Eigen­be­darf pro­du­zier­ten.

Uralte Reb­stö­cke, die vie­les über­stan­den und heu­te noch Trau­ben tra­gen

Mit viel Glück ent­deckt man hier uralte Reb­stö­cke – Methu­sa­lems, die die Reb­lauspla­ge über­stan­den haben und heu­te noch Trau­ben tra­gen –, die uns erst­klas­si­ge Wei­ne besche­ren.

Die Wein­land­schaft Gali­ci­ens umfasst rund 10.000 Hekt­ar Reben, in ers­ter Linie auf stei­ni­gen Granit‑, Fels- und Schie­fer­ver­wit­te­rungs­bö­den. Fünf Regio­nen – Rias Baixas, Val­deor­ras, Ribei­ra Sacra, Ribei­ro und Mon­ter­rei – bestim­men die unter­schied­li­chen wei­ßen wie roten Wei­ne.

DAS WEINBAUGEBIET RÍAS BAIXAS

Das Weiß­wein­pa­ra­dies Rías Baixas süd­west­lich der Atlan­tik­küs­te 

Bedeut­sam ist das Weiß­wein­pa­ra­dies Rías Baixas in der Pro­vinz Pon­te­ve­dra, süd­west­lich der atlan­ti­schen Küs­te bis hin zur por­tu­gie­si­schen Gren­ze. Das flä­chen­mä­ßig größ­te Gebiet ist in fünf Sub­zo­nen geglie­dert, von denen das Val do Sal­nés mit sei­nen zwei Drit­tel Reb­gär­ten die bedeu­tends­te Regi­on dar­stellt. Die wei­ße Alb­ari­ño domi­niert mit 95 Pro­zent die Wein­gär­ten. Sie ist mit ihren fri­schen, sprit­zi­gen, saf­ti­gen, tro­cken aus­ge­bau­ten Wei­nen der Star in der regen­rei­chen, stets feuch­ten Rias Baixas, geprägt von schma­len, tief ins Land rei­chen­den Mee­res­buch­ten. Die hohe Reber­zie­hung im weni­ger effi­zi­en­ten Per­go­las­til auf den all­ge­gen­wär­ti­gen Gra­nit­stütz­pfei­lern hat Tra­di­ti­on. Holz hät­te in der vom Regen gepräg­ten Land­schaft kei­ne dau­er­haf­te Chan­ce.

Pau­la Bosch mit Manu­el und Encar­na Mén­dez Láza­ro beim Besuch
auf ihrem Wein­gut Gerar­do Mén­dez in Meaño
 

Im Wein­gut Gerar­do Mén­dez in Meaño konn­te ich nicht nur die ältes­ten Reb­stö­cke in mei­nem Wein­le­ben bewun­dern, näm­lich Alb­ari­ños mit 350 plus Jah­ren, son­dern eine gan­ze Rei­he die­ser „Cepas Vel­las“ gereif­ter Jahr­gän­ge aus Magn­um­fla­schen kos­ten. Ein unver­gess­li­ches Alb­ari­ño-Erleb­nis, auch wenn mich schon die Rei­he der Basis­wei­ne begeis­ter­te.

 

 

Gegrün­det von Mari­sol Bue­no and Javier Mare­que und heu­te gelei­tet
von deren vier Kin­dern Mari­sol, Vicky, Javier und San­tia­go:
das Wein­gut Pazo de Señorans 

Zu den Pio­nie­ren im Rias Baixas zählt in ers­ter Linie, das Wein­gut Pazo de Señorans in Pon­te­ve­dra, des­sen Wei­ne mich mit ihrer Dich­te und Fines­se über­zeu­gen.

 

 

 

Das Con­ti­nen­tal Yayo Dapor­ta in der Rúa Hos­pi­tal

Wer genug Zeit mit­bringt, soll­te sich in Vino­the­ken, Tapas-Bars wie dem Con­ti­nen­tal in Yayo Dapor­ta oder im Restau­rant Sabi­no in San­xenxo, qua­si am Strand, ver­wöh­nen las­sen.

DAS WEINBAUGEBIET VALDEORRAS

Die öst­lichs­te Wein­pro­vinz Gali­ci­ens: Val­deor­ras – Gol­de­nes Tal

Val­deor­ras, die öst­lichs­te Wein­pro­vinz Gali­ci­ens, hat mit der wei­ßen Reb­sor­te Godel­lo, die inzwi­schen wie die Alb­ari­ño zu den bes­ten Weiß­wei­nen Spa­ni­ens gezählt wird, ein wei­te­res Ass im Ärmel. Auch hier bestim­men die rela­tiv hohen Nie­der­schlä­ge das Kli­ma, dazu gesel­len sich vie­le hei­ße Som­mer­ta­ge, die die Rei­fe­zeit ver­kür­zen und den Trau­ben wie den Wei­nen Kraft, Fül­le und Potenz ver­lei­hen.

Auf­grund der Steil­la­ge sei­ner Wein­ber­ge müs­sen die meis­ten
Arbei­ten per Hand aus­ge­führt wer­den: der Win­zer Rafa­el Pala­ci­os

Im Ram­pen­licht der Regi­on steht heu­te Rafa­el Pala­ci­os mit sei­nem Top-Wein As Sor­tes, der mit sei­nem per­fek­ten Aro­men­spiel, fines­sen­rei­cher Ele­ganz und schier end­lo­ser Mine­ra­li­tät die vie­len ande­ren auch sehr gelun­ge­nen Godel­los etwas ins Abseits stellt.

Selbst der ein­fa­che­re Zweit­wein Lou­ro kann mit sei­ner Bril­lanz im Duft und am Gau­men begeis­tern.

DAS WEINBAUGEBIET RIBEIRA SACRA

 Durch­zo­gen von den Flüs­sen Sil und Miño: das Wein­bau­ge­biet Ribei­ra Sacra

Ribei­ra Sacra wur­de erst 1996 als D. O.-Region geschützt. Die herr­li­che wald­rei­che Land­schaft wird von zwei Flüs­sen durch­zo­gen, was den Namen „hei­li­ges Ufer“ erklärt. Die Reb­ber­ge ste­hen auf sehr stei­len, ter­ras­sier­ten Par­zel­len auf Gra­nit und Schie­fer­bö­den. Die rote Men­cía hat auf den 1200 Hekt­ar Reb­flä­chen die Ober­hand. Bei den wei­ßen Sor­ten kommt neben Alb­ari­ño und Godel­lo auch Lou­rei­ro mit ins Spiel.

Das Win­zert­raum­paar Sara Pérez und René Bar­bier 

2006 wur­de das Wein­gut Domi­nio do Bibei, mit den groß­ar­ti­gen Öno­lo­gen Sara Pérez und René Bar­bier, gegrün­det. Schon die Wei­ne aus dem ers­ten Jahr­gang haben mich mit ihrem Qua­li­täts-Leis­tungs-Ver­hält­nis mehr als über­zeu­gen kön­nen.

 

Der sor­ten­rei­ne Men­cia Laci­ma ist mei­ner Mei­nung nach bes­ser denn je. Ein­drucks­vol­le rot­bee­ri­ge Frucht­aro­ma­tik, medi­ter­ra­ne Wür­ze, ein Kraft­werk im Mund mit nach­hal­ti­ger, beein­dru­cken­der Län­ge. Ein Para­de­bei­spiel für Ribei­ra Sacra.

 

 

DAS WEINBAUGEBIET RIBEIRO

Die Wein­ber­ge von Ribei­ro erstre­cken sich beid­sei­tig des Rio Miño

Das Aus­hän­ge­schild der nur knapp 50 Kilo­me­ter vom Meer ent­fern­ten Regi­on Ribei­ro ist die spät­rei­fen­de wei­ße Treixa­du­ra. Sie trotzt sämt­li­chen Wet­ter­ka­prio­len und der enorm hohen Luft­feuch­tig­keit, die den Pilz­be­fall för­dert. Auch im Drei­klang mit ihren hei­mi­schen Schwes­tern, Lou­rei­ro und Alb­ari­ño, bringt sie aller­feins­te Ergeb­nis­se.

Der Win­zer Emi­lio Rojo mit sei­nem Weiß­wein
(Foto: © Xur­xo Loba­to)

Am ein­drucks­volls­ten und eben­so rar wie teu­er prä­sen­tiert sich das Emi­lio Rojo mit sei­nen Wei­nen, die ohne Zwei­fel zu den feins­ten und bes­ten des Lan­des gezählt wer­den dür­fen. Ent­spre­chend genießt Emi­lio ­Rojo mit sei­nem Betrieb eine Son­der­stel­lung.

 

 

Die Win­zer Mar­ci­al Pita und Feli­cí­si­mo Perei­ra 

Mit den Wei­nen aus dem Wein­gut El Para­gu­as, das erst 2011 gegrün­det wur­de, kann der ers­te Durst stets mit dem köst­li­chen Atlán­ti­co über­brückt wer­den, und das sicher nicht nur als Lücken­bü­ßer.

 

DAS WEINBAUGEBIET MONTERREI

Die Wein­re­gi­on Mon­ter­rei beid­sei­tig des Flus­ses Tame­ga und sei­ner Neben­flüs­se

Die kleins­te Regi­on, Mon­ter­rei, hat­te es in all den letz­ten Jah­ren schwer, mit ihren etwas weni­ger gefäl­li­gen Wei­nen den Geschmack der Wein­freun­de zu tref­fen. Die Anbau­flä­chen sind rück­läu­fig, ver­spre­chen daher mit den noch ver­blie­be­nen 650 Hekt­ar weni­ger Zukunft.

Das land­schaft­lich reiz­vol­le und immer­grü­ne Gali­ci­en bleibt nicht nur für die von der Son­ne ver­wöhn­ten Spa­ni­er ein will­kom­me­nes Rei­se­ziel. Auch die zahl­lo­sen Pil­ger auf dem Jakobs­weg, die Kunst­freun­de der Bur­gen, Klös­ter und Kir­chen und nicht zuletzt die vie­len Genuss­men­schen, die sich für die Ess­kul­tur, für die Fisch- und Muschel­spe­zia­li­tä­ten aus dem nahen Atlan­tik inter­es­sie­ren, kom­men auf ihre Kos­ten.

Bezug: www.bodeboca.de | www.hispavinus.de | www.vinos.de | www.garibaldi.de

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