Chaya Czernowin (Foto oben: © Lupi Spuma) hat ein neues Musiktheaterstück geschrieben. Heart Chamber. An inquiry about love knüpft an die klassische Tradition der Oper an, in der es um Liebe und leidenschaftliche Gefühle geht, und setzt die Liebe einer Prüfung aus. Zweifel und Zerstörung prallen auf Liebesromantik. Zwei Liebende werden zwischen Anziehung und Zurückweisung, dem Verlangen nach Vereinigung und dem Wunsch nach Unabhängigkeit hin und her gerissen. Ausdrucksmittel dieser widerstreitenden Kräfte ist die Stimme. Sechs Solosänger schreibt Czernowin für die Liebenden vor. Jeder von ihnen wird durch jeweils drei Sänger dargestellt. Hinzu kommen ein gemischter Chor, ein großes Orchester sowie elektronische Klänge, die Czernowin mit dem SWR Experimentalstudio Freiburg vorproduziert und als fragile Klanggebilde durch den Raum schickt. In der Verbindung von Live-Instrumenten mit aufgenommenen Tonspuren fand Czernowin früh ihre individuelle musikalische Sprache, und sie wurde ein Kennzeichen ihrer kompositorischen Arbeit. Das Orchester nimmt die elektronischen Klänge auf und baut mit ihnen voluminöse Klangwolken auf, die sich in einem gewaltigen Klanggewitter entladen. Johannes Kalitzke übernimmt die musikalische Leitung.

Regisseur Claus Guth (Foto: Deutsche Oper Berlin) – 
ein kongenialer Partner von Chaya Czernowin,
der mit „Heart Chamber“ zum dritten Mal eine Oper
von ihr in Szene setzt.

Chaya Czernowin wurde 1957 in Haifa geboren. Sie war Pianistin, Komponistin und Sängerin in einer experimentellen Rockband, ehe sie ihr Kompositionsstudium zunächst in Israel und ab 1983 bei Dieter Schnebel in Berlin aufnahm. Es folgten weitere Studien in den USA bei Brian Ferneyhough und Roger Reynolds, bei dem sie 1993 promoviert wurde. 1998/1999 entstand ihre erste Oper Pnima… ins Innere. Darin setzt sie sich mit dem Thema belastender Traumata auseinander, dem für sie als Tochter von Holocaust-Überlebenden besondere Bedeutung zukommt. Die Oper Zaïde / Adama entstand für die Salzburger Festspiele und thematisierte im Mozartjahr 2006 mit einem Gegenstück zu Mozarts unvollendetem Singspiel Zaïde das Verhältnis von Orient und Okzident. Die Oper Infinite now nach Texten von Erich Maria Remarque, Can Xue und Soldatenbriefen des Ersten Weltkriegs aus dem Jahr 2015/2016, die den Zuschauer eintauchen lässt in das Innere einer Person, die sich in einer ausweglosen Situation befindet, wurde von Kritikern der Zeitschrift „Opernwelt“ als „Uraufführung des Jahres“ ausgezeichnet. Ein kongenialer Partner war dabei mehrfach Regisseur Claus Guth, und er bringt mit Heart Chamber zum dritten Mal ein neues Werk von Chaya Czernowin auf die Bühne.

Weitere Aufführungen gibt es am 21., 26. und 30. November sowie 6. Dezember 2019.

Informationen: www.deutscheoperberlin.de

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