Life­haf­tig­keit“ – das ist der Leit- und Anspruch des Det­mol­der Inde­pen­dent-Labels Musik­pro­duk­ti­on Dabring­haus & Grimm (MDG), das 1978 gegrün­det wur­de und bis heu­te für einen Klang­rea­lis­mus steht, der sei­nes­glei­chen sucht. Die natür­li­che Akus­tik der Auf­nah­men, die Plat­zie­rung der Mikro­fo­ne im Raum ist den Grün­dern Wer­ner Dabring­haus und Rei­mund Grimm hei­lig, künst­li­cher Hall, Fil­ter, Equa­li­zer und ande­re tech­ni­sche Ein­grif­fe sind in ihren Ohren nichts als „Ver­schlimm­bes­se­rer“. Mit die­ser puris­ti­schen Phi­lo­so­phie hat MDG es weit gebracht und schon etli­che Prei­se ein­ge­heimst, dar­un­ter 2006 den ECHO für die „Bes­te Sur­round-Auf­nah­me des Jah­res“. Und nun haben 2019 gleich fünf ihrer Künst­le­rin­nen und Künst­ler einen OPUS KLASSIK gewon­nen.

Begab sich auf der Suche nach dem perfekten Klang in die 
Kathedrale St-Ouen in Rouen: der Organist Ben van Oosten
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Der nie­der­län­di­sche Aus­nah­me­or­ga­nist Ben van Oos­ten hat sich auf der Suche nach dem per­fek­ten Sound ein­mal mehr in die Kathe­dra­le St-Ouen in Rou­en bege­ben, wo die legen­dä­re L’Orgue à Michel-Ange bis heu­te im Ori­gi­nal­klang erhal­ten ist. Auf die­sem Wun­der­in­stru­ment füllt van Oos­ten eine erstaun­li­che Leer­stel­le in sei­ner Dis­ko­gra­fie fran­zö­si­scher Orgel­mu­sik: das Gesamt­werk von César Franck, dem Kom­po­nis­ten, der den schö­nen Satz hin­ter­las­sen hat: „Mei­ne Orgel, sie ist ein Orches­ter!“. Was van Oos­ten auf gleich vier CDs beglau­bigt. Die ful­mi­nan­te Gleich­be­rech­ti­gung der Stim­men in Francks Schaf­fen wird in des­sen frü­hen kom­po­si­to­ri­schen Ver­su­chen eben­so fein her­aus­ge­ar­bei­tet wie in den drei gro­ßen Meis­ter­zy­klen. Ein wah­res Orgel­fest.

Spielt die beiden Klaviertrios des chinesisch-kanadischen 
Komponisten An-Lun Huang: die Pianistin Yubo Zhou
(Foto: © Quin Hongcai)

Die Wer­ke des chi­ne­sisch-kana­di­schen Kom­po­nis­ten An-Lun Huang ­– als Zeit­ge­nos­se noch immer im Ran­ge einer Ent­de­ckung – haben wie­der­um eine Rei­se in die Abtei des ost­west­fä­li­schen Mari­en­müns­ters ange­regt. Drei Glo­be­trot­ter aus Los Ange­les, Xia­men und Schang­hai sind hier zusam­men­ge­kom­men, um die bei­den Kla­vier­tri­os Huangs ein­zu­spie­len. Vio­li­nis­tin Bin Huang, der Cel­list Alex­an­der Sulei­man und Yubo Zhou am Kla­vier bewei­sen, wie nuan­cen­reich An-Lun Huang in sei­ner Musik Ost und West ver­schmel­zen lässt. Mit des­sen Chi­ne­si­scher ­Rhaps­odie Nr. 2 hat­te ja Wun­der­kind Lang Lang einst bei der Jugend­aus­ga­be des Tschai­kow­sky-Wett­be­werbs groß auf­ge­schla­gen.

Gegründet, um junge Musiker zusammenzubringen: 
das dogma chamber orchestra

Apro­pos jung. Das dog­ma cham­ber orches­tra ist 2004 von Mikhail Gurewitsch gegrün­det wor­den, um jun­ge Musi­ker zusam­men­zu­brin­gen, die schon inter­na­tio­na­le Erfah­run­gen auf­wei­sen kön­nen. Wie frisch und poin­tiert die­ses Erfolgs­en­sem­ble auf­spielt, zeigt die Auf­nah­me ihrer Inter­pre­ta­ti­on von Mozarts A‑Dur Sin­fo­nie KV 201 und Schu­berts B‑Dur Sin­fo­nie Nr. 5 – zwei Früh­wer­ke, die pas­sen­der­wei­se von jugend­li­cher Unbe­küm­mert­heit bei gleich­zei­ti­ger kom­po­si­to­ri­scher Meis­ter­schaft durch­drun­gen sind – Mozart und Schu­bert waren bei­de noch kei­ne 20 Jah­re alt, als sie die­se Rei­fe­zeug­nis­se vor­leg­ten. Das Album ist als Live­auf­nah­me im Dort­mun­der Kon­zert­haus ent­stan­den und setzt den Hörer auf die bes­ten Plät­ze – live-haf­tig in die­sem Fall.

Bieten feinste Technik: das Klavierduo Evelinde Trenkner 
und Sontraud Speidel

Den recht schrof­fen Stim­mungs­kon­trast dazu bil­det die Gus­tav-Mah­ler-Ein­spie­lung des Kla­vier­du­os Tren­k­ner-Spei­del, das sich die Fünf­te Sin­fo­nie vor­ge­nom­men hat. Bekannt­lich beginnt die in der Orches­ter­fas­sung mit einem Trau­er­marsch für eine ein­zel­ne Trom­pe­te. Aber auch Otto Sin­gers (von Mah­ler auto­ri­sier­te) Bear­bei­tung für Kla­vier schafft mit weni­gen Anschlä­gen eine Welt aus Weh­mut. Die Ver­si­on ver­langt feins­te Tech­nik. Und die haben Eve­lin­de Tren­k­ner und Son­traud Spei­del zu bie­ten – auf einem Stein­way aus der Ent­ste­hungs­zeit der Sin­fo­nie.

Kom­plet­tiert wird der fünf­fa­che OPUS-Sieg schließ­lich mit einem Album des Bero­li­na Ensem­bles (Foto oben: © Tim Klö­cker) aus Ber­lin, das 2009 ins Leben geru­fen wur­de, um weit­ge­hend unbe­kann­te Kom­po­si­tio­nen zu ent­de­cken. Wie die Wer­ke des gebür­ti­gen Sie­ben­bür­ge­ners Wal­ter von Bausz­nern. Nach des­sen Ele­gie und Sere­na­de wid­met sich das jun­ge Ber­li­ner Kam­mer­en­sem­ble nun, unter­stützt von der Sopra­nis­tin Maria Beng­ts­son, Bausz­ners Quin­tett, Streich­trio und Kam­mer­ge­sän­gen. Die ent­fal­ten eine so geist­rei­che Melo­dik, dass man sich wirk­lich wun­dert, wes­halb sie nicht längst zum fes­ten Kon­zert­re­per­toire zäh­len.

César Franck: „Das Orgel­werk“, Ben van Oos­ten (MDG)
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An-lun Huang: „Pia­no Tri­os“, Bin Huang, Alex­an­der Sulei­man und Yubo Zhou (MDG)
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Wolf­gang Ama­de­us Mozart: „Sin­fo­nie KV 201, Franz Schu­bert: „Fünf­te Sin­fo­nie“, dog­ma cham­ber orches­tra (MDG)
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Gus­tav Mah­ler: „Fünf­te Sin­fo­nie“, Pia­no Duo Tren­k­ner Spei­del (MDG)
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Wal­ter von Bausz­nern: „Quin­tett, Acht Kam­mer­ge­sän­ge u.a.“, Maria Beng­ts­son, Bero­li­na Ensem­bles (MDG)
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crescendo Redaktion
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