Rätsel des Alltags Man lebt nur drei Mal!

Wer verbirgt sich hinter diesem Text?

Gebo­ren wur­de ich 2637 vor Chris­tus. Zum zwei­ten Mal leb­te ich in der Zeit Alex­an­ders des Gro­ßen. Bei des­sen Beer­di­gungs­ze­re­mo­nie in Baby­lon im Jahr 323 vor Chris­tus habe ich sogar im Begräb­nis-Orches­ter mit­ge­spielt. Und zum drit­ten Mal gebo­ren bin ich im Jahr 1905 in Ligu­ri­en als ein Con­te di Aya­la Val­va. Als mir im Alter gele­gent­lich das Bein weh­tat, lag das an einer uralten Ver­let­zung, die ich vor Tau­sen­den von Jah­ren als Krie­ger erlit­ten­ha­be. Ja, ich glau­be an die Wie­der­ge­burt. Man nennt mich auch einen Meis­ter der Des­in­for­ma­ti­on, mein Leben ist ein gro­ßes Geheim­nis. Jour­na­lis­ten, die Fra­gen zu mei­ner Bio­gra­fie stel­len, mag ich grund­sätz­lich nicht.

Ab 1929 habe ich kom­po­niert, vor allem Kla­vier­stü­cke. In Rom habe ich Kon­zer­te mit zeit­ge­nös­si­scher Musik ver­an­stal­tet. Als das Mus­so­li­ni-Regime die Wer­ke Schön­bergs und ande­rer jüdi­scher Kom­po­nis­ten ver­bot, ging ich ins Aus­land. 1944 schrieb ich sein ers­tes Streich­quar­tett, ein hoch­kom­ple­xes Zwölf­ton­stück. Nach einer see­li­schen Kri­se inklu­si­ve psych­ia­tri­scher Behand­lung war ich als Kom­po­nist völ­lig ver­än­dert. Ich wur­de krank, weil ich zu viel nach­dach­te. Jetzt den­ke ich nicht mehr. Seit 1952 krei­sen die Musik­stü­cke um einen Ton, eine Ton­ach­se, ein tona­les Zen­trum. Ich war gar kein Kom­po­nist mehr, son­dern nur ein Medi­um der Klan­gener­gie. In mei­nem Nach­lass fan­den sich bei­na­he ein­tau­send bespiel­te Ton­bän­der. Erst 2010 wur­den die Archi­ve geöff­net,
die Bän­der sind inzwi­schen immer­hin digi­ta­li­siert.

Lösung: Gia­c­in­to Scel­si

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Klaus Härtel
Als Klaus Härtel anno dazumal das Trompete-Spielen erlernte, dachte er nicht im Entferntesten daran, dass Musik einmal dem Broterwerb dienen könnte. Musik war in erster Linie zeitintensiver Zeitvertreib. Die aktive, geblasene Musik trat in den Hintergrund, die passiv gehörte nach dem Journalismus-Studium in den Vordergrund.

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