Die Violinstimme erfordert einen Meister. Bach kannte die Möglichkeiten dieses Instruments und schonte es ebenso wenig, als er sein Clavier schonte“ schrieb der Musikforscher Johann Nikolaus Forkel über die „Sechs Sonaten für Violine und Cembalo“ und wusste, dass sie „äußert sangbar und charaktervoll“ sind. Die Franzosen Renaud Capuçon und David Fray, beide Meister ihres Fachs, lassen die Kantilenen schweben, und was den Charakter betrifft, mag man träumend an die hochklassigen Eigenschaften eines Pétrus denken und dessen vollmundig, üppig runde Fülle. Die vier Duosonaten aus Bachs essenziellstem Kammermusikzyklus, in dem das Klavier erstmalig befreit vom bloßen Basso continuo gleichwertig mit der Violine parliert, bestechen durch die brillante Anschlagsdynamik Frays in Harmonie mit der gezielten Akzentuierung der Violinstimme, die Capuçon in die Schwalbenflughöhe eines himmlisch blauen Sommerabends führt. Ein romantisch interpretierter Bach, anmutig und atemberaubend!

Johann Sebastian Bach: „Sonatas”, Renaud Capuçon, David Fray (Erato / Warner Classics)

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Stefan Sell
Was hat John Wayne mit den Muppets und Groucho Marx gemeinsam? Für crescendo begibt sich Stefan Sell immer wieder auf die Suche nach verblüffenden Zusammenhängen. Überraschende Verbindungen bringt Sell auch als Konzertgitarrist auf die Bühne. In Programmen wie Don Quijote trifft Hamlet vereint er virtuoses Saitenspiel mit humorvollen Anekdoten und entstaubt die Weltliteratur. Seine langjährige Arbeit als Herausgeber und Autor beim Schott-Verlag wurde mit dem Deutschen Musikeditionspreis „Best Edition“ ausgezeichnet.

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