So viel Tanz war nie! Natürlich wird in allen Don-Quixote-Versionen zu Ludwig Minkus’ gezielt ballettbestimmter Musik herzhaft viel getanzt. Aber Rudolf Nurejew hielt sich 1966 in seiner Fassung für das damalige Wiener Staatsopernballett nicht nur eng an die Petipa-Urfassung von 1869/71. Bei allem, von ihm auch bestens bedienten, Komödien-Humor um den skurrilen „Don Q.“ und seinen Sancho Pansa, lebte Nurejew hier seine Tanzbesessenheit voll aus. Ob das Liebesgeplänkel ­zwischen Kitri und Basil – in Weltklasseformat von Maria Yakovleva und Denys Cherevychko dargeboten –, ob Seguidillas und Fandangos oder hochklassische ­Dryaden-Königin mit Gefolge: Alle Solo-Variationen, die zahlreichen Pas de deux bis zu den Pas de cinq und sogar die großen Ensembles sind geradezu schwindelerregend kompliziert-schrittdicht in der Fußarbeit gestaltet, dabei so tänzerisch beweglich im Oberkörper, dass man Manuel Legris’ geschliffen tanzendem, von Dirigent Kevin Rhodes temperamentvoll angefeuerten Wiener Staatsballett nur dankbar sein kann, dieses Nurejew-­Vermächtnis so sorgsam zu pflegen.

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