Eine musikalische Brücke zwischen Russland und Deutschland erinnert am 8. Mai 2020 an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren. Die Deutsche Welle (DW), der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland, sendet ein Gedenkkonzert aus Russland und Deutschland. Es bringt Werke russischer und deutscher Komponisten, ist auf der Website der Deutschen Welle zu sehen und wird im Fernsehen gezeigt.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte „Zerstörungen und Verluste von Menschenleben in gigantischen Dimensionen mit sich“, wie der britische Historiker Sir Ian Kershaw in seinem Buch „Das Ende“ ausführt. Am 3. Mai flatterte auf dem Reichstag in Berlin die rote Fahne mit Hammer und Sichel. Der Krieg jedoch ging weiter. Diese selbstzerstörerische Dynamik und die Triebkraft für die blinde Gefolgschaft warfen für die Historiker später viele Fragen auf. Erst am 8. Mai 1945 erfolgte endlich die deutsche Kapitulation.

Geplant waren große Feierlichkeiten

Das Ensemble 2012 Russland-Deutschland besteht aus jungen Musikern des Moskauer Konservatoriums und den beiden Hochschulen für Musik in Berlin
(Foto: © RCCR Projects)

Das 75. Gedenken dieses Tages, der für das Ende des Krieges und die Befreiung vom Nationalsozialismus steht, sollte im Rahmen großer Feierlichkeiten und Konzerte erfolgen. Unter anderem war die Aufführung eines sinfonischen Konzertes mit jungen Musikern der Deutsch-Russischen MusikAkademie und Solisten in Berlin, Moskau und St. Peersburg geplant. Die MusikAkademie wurde von Valery Gergiev und Tatjana Rexroth, die sie mit Dieter Rexroth leitet, auf der Basis des Mariinski-Theaters ins Leben gerufen. Sie ist ein Projekt des Kulturunternehmens RCCR Projects, das sich seit 2012 dem deutsch-russischen Kulturaustausch widmet.

Die Geigerin Antje Weithaas und der Pianist Thomas Hoppe
(Foto: © RCCR Projects / P. Adamik)

Die Corona-Pandemie durchkreuzte dieses Vorhaben. Stattdessen findet ein Videokonzert statt. Musiker spielten in der Staatlichen Philharmonie Moskau, in den Konzertsälen des Mariinski-Theaters in St. Petersburg und im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin. Gedreht wurde in allen drei Städten. Und die Deutsche Welle richtete als TV-Sender eine musikalische Brücke zwischen den beiden Ländern ein.

Ein neues Format finden

Nikolaus Rexroth, Pianist und Projektleiter: „Wir dürfen das Projekt zu einem so wichtigen Datum nicht einfach fallen lassen.“
(Foto: © RCCR Projects)

Als klar wurde, dass das von uns geplante große sinfonische Programm unter Beteiligung von jungen Musikern der Akademie nicht möglich sein wird, wurde uns sofort klar: Wir dürfen das Projekt zu einem so wichtigen Datum nicht einfach fallen lassen. Wir müssen nur ein neues Format finden, das uns dennoch zusammenbringt, wenn auch nur im virtuellen Rahmen“, betonte der Pianist und Projektleiter Nikolaus Rexroth. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft der Außenminister von Deutschland und Russland, Heiko Maas und Sergej Lawrow. Beide Politiker meldeten sich mit Grußbotschaften zu Wort.

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Der Pianist Martin Helmchen
(Foto: © RCCR Projects / P. Adamik)

Auf dem Programm stehen Werke von Tschaikowski, Schostakowitsch, Strawinski, Bach, Beethoven und Mozart sowie Quatuor pour la fin du temps, das Olivier Messiaen 1940 im Gefangenenlager Görlitz 1940 zur Aufführung brachte. Zu den beteiligten Künstlern gehören die Pianisten Martin Helmchen und Denis Mazujew sowie die Geigerin Antje Weithaas.

Die Ausstrahlungen im TV-Programm der Deutschen Welle erfolgen unter dem Titel „Musikbrücke Russland-Deutschland“ am 8. Mai 2020 um 14:45 Uhr MESZ sowie um 21:30 Uhr MESZ und am 9. Mai 2020 um 4:00 Uhr MESZ sowie um 7:30 Uhr MESZ.
Informationen dazu: www.dw.com

Zu sehen ist das Konzert auch auf der Website der Deutschen Welle: www.dw.com

Website der Russisch-Deutschen Musikakademie: www.rccr-projects.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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