Ohren, Augen, Herzen offen!

Sir Peter Jonas

Zum Tod von Sir Peter Jonas

Es ist selten, dass Intendanten zu Stars werden. Sir Peter Jonas war so eine Legende: Er hat die Bayerische Staatsoper in München von 1993 bis 2006 geleitet, unter anderem mit dem so anderen Zubin Mehta. Jonas war von britischem Humor geprägt, ein Engländer, dessen Vater sich vergiftet hatte, bevor die Gestapo ihn holen konnte. Trotzdem – oder gerade deshalb? – hat der Sohn den Witz zurück nach Deutschland gebracht. Und das war durchaus auch eine Provokation. Besonders in den von Jonas so geliebten Barock-Opern, in denen Händel, Händel über alles – den Slapstick und die Schrägest zelebrieren ließ. Natürlich besonders von Landsleuten wie Richard Jones, David Pountney oder David Alden. Dazu holte er deutsche enfants terribles wie Peter Konwitschny.

Sein Lieblingsformat: Oper für alle! 

Unter Jonas würde die Oper wurde in München zu einem Ort, an dem man dabei gewesen sein musste – was hier passierte, stand am nächsten Tag sogar in den Klatschzeilen. Oper wurde unter Jonas zum Event, aber nicht nur für die Schickeria, sondern – so wie er sein Lieblingsformat nannte: Oper für alle!

Zurückgetreten ist er aufgrund seiner Krebskrankheit. Aber er kehrte immer wieder zurück: Balkon rechts, 1. Reihe. Hier erzählte er gern, dass man wieder an ihm herumgeschnippelt habe – und dass er Unkraut sei. Jonas hat 45 Jahren lang gegen den Krebs gekämpft – und den Kampf nun mit 73 Jahren verloren.

Für München ein Glück

Nikolaus Bachler, sein Nachfolger, ebenfalls ein Theatertier, sagt, Jonas sei „für München ein Glück“ gewesen, lobte den absurden Humor des Intendanten, seine große Disziplin und sagte: „Seit der Ära Jonas hört das Publikum in München (auch) mit den Augen.“ – Ein großer ist gegangen, der nicht nur unsere Ohren und Augen – sondern auch unsere Herzen geöffnet hat.

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Axel Brüggemann
Axel Brüggemann glaubt, dass Musik das Leben verändern kann. Darüber hat er zunächst bei der WELT am SONNTAG geschrieben, bei der er auch Textchef war. Später schrieb er für die FAS und die Jüdische Allgemeine. Heute ist der ehemalige crescendo-Chefredakteur hauptsächlich fürs Fernsehen tätig: für arte, ZDF und SKY. Für seine Bayreuth-Moderationen wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Brüggemanns Dokumentarfilme suchen stets nach dem Zusammenhang von Musik und Mensch.

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