Orthodoxe Kirchen & sprudelnde Thermalquellen

Mit Krassimira Stoyanova in Sofia

Bulgaren in der landestypischen Tracht

Orthodoxe Kirchen, sprudelnde Thermalquellen und betörendes Rosenöl – die Sopranistin Krassimira Stoyanova führt uns durch Bulgariens Hauptstadt.

Kein noch so grau­sa­mer Opern­tod kann Kras­si­mi­ra Stoya­no­va aus der Bahn wer­fen. Denn die Sän­ge­rin hat immer ein gesun­des Stück Hei­mat im Gepäck. „Ich rei­se nie­mals ohne bul­ga­ri­sche Joghurtfer­men­te“, sagt sie lachend am Tele­fon. Wir errei­chen sie in New York, wo sie an der Metro­po­li­tan Ope­ra die Haupt­rol­le in Ver­dis Aida singt. Eine gehö­ri­ge Por­ti­on Natio­nal­stolz schwingt mit, als die Sopra­nis­tin erklärt, die­ses belieb­te Milch­pro­dukt sei in Bul­ga­ri­en und nicht etwa in Grie­chen­land erfun­den wor­den. Mit eben­so gro­ßer Begeis­te­rung beglei­tet sie uns auf einen vir­tu­el­len Spa­zier­gang durch die Haupt­stadt Sofia, die sie schon seit ihrer Kind­heit kennt.

Gebo­ren wur­de Stoya­no­va im fast 200 Kilo­me­ter wei­ter öst­lich gele­ge­nen Weli­ko Tar­no­vo. Das his­to­ri­sche Zen­trum mit zahl­rei­chen Kir­chen und den Über­res­ten des eins­ti­gen Zaren­pa­lasts ist über drei befes­tig­te Hügel ver­teilt, an denen sich der Fluss Jan­tra in vie­len Krüm­mun­gen vor­bei­sch­län­gelt. „Ein wun­der­schö­ner Ort mit typi­schen Stein­häu­sern, wo sich Spu­ren aus allen Epo­chen fin­den las­sen“, schwärmt die 54-jäh­ri­ge Künst­le­rin. Lan­ge vor Sofia war Weli­ko Tar­no­vo im Mit­tel­al­ter Lan­des­haupt­stadt Bul­ga­ri­ens. Heu­te gibt es dort auch ein Musik­thea­ter und ein Kin­der­or­ches­ter, in dem Stoya­no­va frü­her spiel­te. „Vie­le Kin­der haben sich da auf eine pro­fes­sio­nel­le Orches­ter­kar­rie­re vor­be­rei­tet.“ In Rus­se an der Donau, dem kul­tu­rel­len Zen­trum Nord­bul­ga­ri­ens mit wie­ne­risch gepräg­ter Archi­tek­tur, ging Kras­si­mi­ra Stoya­no­va aufs Musik­gym­na­si­um, bevor sie am Kon­ser­va­to­ri­um von Plow­diw Gesang und Vio­li­ne stu­dier­te.

Ich rei­se nie­mals ohne bul­ga­ri­sche Joghurtfer­men­te“

Ihr Debüt als Opern­sän­ge­rin fei­er­te die tem­pe­ra­ment­vol­le dun­kel­haa­ri­ge Diva, die an den bekann­tes­ten Büh­nen der Welt gas­tiert, 1995 am Natio­nal­thea­ter für Oper und Bal­lett in Sofia. „Ich habe die Gil­da in Rigo­let­to gesun­gen“, erin­nert sie sich. „Kaum zu glau­ben, aber ich wur­de ohne eine ein­zi­ge Pro­be qua­si ins kal­te Was­ser gewor­fen. Der Stress war enorm, aber es ist alles gut gegan­gen. Jetzt kann ich dar­über lachen.“ Das Musik- und Kul­tur­le­ben der Stadt sei sehr leben­dig, berich­tet sie. „Wir haben einen Kul­tur­pa­last mit fast 4.000 Plät­zen. Das sind Dimen­sio­nen wie in der Met in New York. Wenn Opern auf­ge­führt wer­den, ist der Saal oft voll.“

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Alexander-Newski-Kathedrale
Foto: Tom Pedd­le

Freun­den, die Sofia noch nicht ken­nen, zeigt sie zuerst die Kir­chen im Stadt­zen­trum. Mit ihren prunk­vol­len Kup­peln ist die Alex­an­der-New­ski-Kathe­dra­le schon von Wei­tem zu sehen. Das impo­san­te Got­tes­haus im neo­by­zan­ti­ni­schen Stil ist der Sitz des Patri­ar­chen, des Ober­haup­tes der bul­ga­risch-ortho­do­xen Kir­che. Der Archi­tekt des Mos­kau­er Waren­hau­ses GUM, Alex­an­der Pome­ran­zew, ent­warf das Gebäu­de um die Jahr­hun­dert­wen­de. Die Säu­len wur­den aus bra­si­lia­ni­schem Onyx gefer­tigt. Die Holz­tü­ren stam­men aus Bam­berg und Wien und die Metall­be­schlä­ge aus Mün­chen, wo auch die Beleuch­tung her­ge­stellt wur­de. Die Gold­grund-Mosai­ken im Innern sind aus Vene­dig. Beson­ders beein­dru­ckend fin­det Kras­si­mi­ra Stoya­no­va außer­dem die Rotun­de des Hei­li­gen Georg, einer früh­christ­li­che Kir­che aus dem 4. Jahr­hun­dert, die von den Römern aus rotem Back­stein gebaut wur­de. Im Innen­raum sieht man pracht­vol­le Fres­ken, auf denen unter ande­rem Pro­phe­ten dar­ge­stellt sind.

In der Innen­stadt von Sofia sind noch vie­le Über­res­te aus dem anti­ken römi­schen Ser­di­ca zu fin­den. Erst vor 13 Jah­ren wur­de beim Bau eines Hotels ein gro­ßes Amphi­thea­ter frei­ge­legt. „Die Römer haben sich bei uns offen­sicht­lich sehr wohl gefühlt, nicht zuletzt wegen der vie­len Ther­men“, erklärt die Sän­ge­rin. Nicht nur Ungarn, son­dern auch Bul­ga­ri­en ist reich an Heil­quel­len. So kann man einen Auf­ent­halt in Sofia ide­al mit klei­nen Pau­sen in Spas und Ther­mal­bä­dern ver­bin­den. Stoya­no­va emp­fiehlt außer­dem, Muse­en und Kunst­ga­le­rien anzu­schau­en. „Bei uns sind spek­ta­ku­lä­re Gold­fun­de zu sehen. Es ist unglaub­lich, wie kunst­voll die­ses edle Metall im Lau­fe der Jahr­hun­der­te ver­ar­bei­tet wur­de.“ Zu den Glanz­stü­cken der Samm­lun­gen des Natio­na­len His­to­ri­schen Muse­ums gehört der Gold­schatz von Panag­ju­risch­te aus dem 4. und 3. Jahr­hun­dert vor Chris­tus. Die neun Gefä­ße aus purem Gold, die eigent­lich dem Muse­um in Plow­diw gehö­ren, wer­den auch im Aus­land aus­ge­stellt.

Bei uns sind spek­ta­ku­lä­re Gold­fun­de zu sehen“

Neben nüch­ter­nen Gebäu­den, die an die Zeit des Ost­blocks erin­nern, gibt es in Sofia vie­le Parks. „Die Stadt ist sehr grün, und die Ein­woh­ner emp­fan­gen Tou­ris­ten sehr herz­lich. Mei­nen Freun­den wür­de ich in jedem Fall auch die Umge­bung zei­gen“, sagt Stoya­no­va. „Das Wito­scha-Gebir­ge, das vor der süd­li­chen Stadt­gren­ze beginnt, ist unser Natio­nal­park. Da liegt auch die Kir­che von Boja­na, die für ihre Fres­ken aus dem 13. Jahr­hun­dert welt­be­rühmt ist.“ Beson­ders gut gefällt der Sän­ge­rin die beein­dru­cken­de Dar­stel­lung von Zar Kon­stan­tin und sei­ner Frau Iri­na. Das Herr­scher­paar ist in rot-gol­de­nen ver­zier­ten Gewän­dern vor einem tief­blau­en Hin­ter­grund zu bewun­dern.

Nach so inten­si­ven Besich­ti­gungs­tou­ren wird es drin­gend Zeit für eine Stär­kung. In Sofia gebe es längst nicht nur Joghurt, lacht Kras­si­mi­ra Stoya­no­va. Bul­ga­ri­en ist auch für sei­ne Grill­spe­zia­li­tä­ten berühmt, die man in typi­schen Restau­rants im Zen­trum pro­bie­ren kann. „Unse­re Küche erin­nert an die kuli­na­ri­schen Tra­di­tio­nen Grie­chen­lands, der Tür­kei, Ita­li­ens und ande­rer Mit­tel­meer­län­der. Auch Vege­ta­ri­er brau­chen nicht zu hun­gern, denn bei uns kommt neben Fleisch immer viel Gemü­se auf den Tisch.“ Inter­na­tio­nal bekannt ist außer­dem der bul­ga­ri­sche Schafs­kä­se und der Schnitt­kä­se Kasch­ka­wal, der aus Schafs­oder Kuh­milch bestehen kann. Zu die­sen Gerich­ten kann man aus­ge­zeich­ne­te Wei­ne pro­bie­ren, die im Land bereits seit der Anti­ke ange­baut wer­den. Stoya­no­va emp­fiehlt bei­spiels­wei­se Weiß- und Rot­wei­ne aus der Kel­le­rei Todoroff. Als Sou­ve­nirs kön­nen sich Tou­ris­ten Iko­nen und kunst­voll gefer­tig­ten Sil­ber­schmuck mit nach Hau­se neh­men. Auch bul­ga­ri­sches Rosen­öl soll­te man sich kei­nes­falls ent­ge­hen las­sen. Zur Gesichts­pfle­ge hat die Sän­ge­rin auf Rei­sen immer Rosen­was­ser dabei, das außer­dem Mar­zi­pan einen herr­li­chen Geschmack ver­leiht.

Tipps, Infos & Adressen

Musik & Kunst

Nationaltheater Sofia
Foto: Volodhia

Das Natio­nal­thea­ter für Oper und Bal­lett bie­tet Opern- und Tanz­auf­füh­run­gen sowie Kon­zer­te. In die­sem Som­mer steht unter ande­rem Wag­ners Par­si­fal auf dem Pro­gramm.
Für das Natio­na­le His­to­ri­sche Muse­um Bul­ga­ri­ens soll­te man genug Zeit ein­pla­nen. Die Haupt­aus­stel­lung schlägt einen wei­ten Bogen von der Urge­schich­te bis zum Zwei­ten Welt­krieg. Moder­ne und zeit­ge­nös­si­sche Kunst aus der Zeit nach der Unab­hän­gig­keit Bul­ga­ri­ens 1878 ist in der Natio­na­len Kunst­ga­le­rie zu sehen.

www.operasofia.bg
www.visitsofia.bg
www.historymuseum.org
www.nationalartgallerybg.org

Essen & Trinken

Restaurant Cosmos
Foto: Restau­rant Cos­mos

Tra­di­tio­nel­le bul­ga­ri­sche Gerich­te und inter­na­tio­na­le Küche bie­tet das Restau­rant Cos­mos. Auf der Kar­te fin­det man Schops­ka-Salat eben­so wie Foie gras oder Stein­pilz-Ravio­li. Für geho­be­ne Ansprü­che. Wesent­lich uri­ger ist es im Restau­rant Hadjidraganov’s Houses, wo Gäs­te gro­ße Por­tio­nen zu mode­ra­ten Prei­sen sowie Live-Folk­mu­sik erwar­ten. Typi­sches bul­ga­ri­sches Flair cha­rak­te­ri­siert das Moma Bul­ga­ri­an Food & Wine: Grill­tel­ler, Sala­te und zum Abschluss Joghurt-Des­sert. Wer neu­gie­rig auf bul­ga­ri­schen Reben­saft ist, kommt auch in der Rumen Wein­bar auf sei­ne Kos­ten.

www.moma-restaurant.com
www.rumen.wine

Übernachten

Foto: Matteo Piaz­za

Mit moder­nem Design, einer Roof Top Bar, kuli­na­ri­schen Spe­zia­li­tä­ten und einem groß­zü­gi­gen Well­ness-Bereich lockt das mit fünf Ster­nen bewer­te­te Sen­se Hotel Sofia Gäs­te, die sich ihren Städ­te­trip etwas kos­ten las­sen wol­len – spek­ta­ku­lä­rer Aus­blick auf die Alex­an­der-New­ski-Kathe­dra­le inklu­si­ve. Eine güns­ti­ge­re, eben­falls zen­tral gele­ge­ne Alter­na­ti­ve ist das Best Wes­tern Art Pla­za Hotel.

www.sensehotel.com
bw-art-plaza-sofia.hotel-rn.com

1 Kommentar

  1. Posi­tiv über­rascht, dass Cre­scen­do auch weni­ger attrak­ti­ve Ecken unse­rer nahlie­gen­den Welt bekannt macht.
    Zum Natio­nal­park Wito­scha unbe­dingt wis­sens­wert: Das Win­ter­sport­ge­biet liegt auf einer Höhe von 1.340 bis 2.290 m. Zum Ski­fah­ren und Snow­boar­den ste­hen 20 km Pis­ten zur Ver­fü­gung. 15 Lif­te beför­dern die Gäs­te.
    Es ist ein­ma­lig in Euro­pa, dass eine Haupt­stadt einen Zwei­tau­sen­der als Hin­ter­hof hat.

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